IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025
IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025 – Ein Stimmungsumschwung lässt auf sich warten
Die Herbstumfrage 2025 des Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln offenbart ein ernüchterndes Bild für die deutsche Wirtschaft: Ein wirklicher Aufschwung oder eine spürbare Verbesserung der Stimmung in den Unternehmen bleibt bislang aus. Vielmehr dominieren weiterhin Zurückhaltung, Investitionshemmnisse und pessimistische Erwartungen – nicht gerade die besten Voraussetzungen für anspruchsvolle Vermögensschutz- und Unternehmensstrategien.
In diesem Artikel beleuchten wir die zentralen Ergebnisse der Umfrage, analysieren die Hintergründe und diskutieren die Konsequenzen für Unternehmen, Investoren und Anleger.
1. Die Lage – kein Aufbruch, sondern Stillstand
Die aktuelle Umfrage des IW zeigt klar auf: Die deutsche Wirtschaft konnte im Jahr 2025 noch nicht die erhoffte Wende vollziehen. Laut Bericht steht die Geschäftslage der Unternehmen weiterhin als „unverändert schlecht“ da.
Auch im Herbst 2025 zeigt sich eben kein markanter Aufbruch – der Titelsatz der Studie lautet: „Stimmungsumschwung lässt auf sich warten“.
Diese Bewertung passt in eine Reihe von Analysen, die von einer Phase der Stagnation sprechen: Nach zwei Jahren Rezession tritt Deutschland laut IW im Jahr 2025 lediglich auf der Stelle.
Für diejenigen, die Vermögen schützen oder Unternehmen führen, heißt das: Es gibt keine rosige Zeit, in der Wachstum einfach so wiederkommt – vielmehr ist Vorsicht geboten.
2. Geschäftserwartungen für 2026 – Stimmung kippt erneut
Ein besonders bemerkenswerter Aspekt: Die Erwartungen für 2026 sind schlechter als jene für 2025. Laut Umfrage sieht zwar ein Viertel der befragten Unternehmen für 2026 eine höhere Produktion oder Geschäftstätigkeit im Vergleich zu 2025, aber nahezu ein Drittel erwartet sogar einen Rückgang.
Der daraus resultierende Negativsaldo ist seit dem Frühjahr von etwa –3 Prozentpunkten auf knapp –7 Prozentpunkte gestiegen.
Damit ist klar: Die Stimmung verschlechtert sich – nicht dramatisch plötzlich, aber deutlich spürbar.
Für Unternehmer und Investoren ist dieser Aspekt zentral: Eine schlechtere Erwartungshaltung gesagt bedeutet mehr Risiko, weniger Wachstumschancen und potenziell größere Vorsicht bei Investitionen.
3. Branchenbetrachtung: Die Industrie unter Druck, Bauwirtschaft als Lichtblick
Industrie
In der industrieweiten Betrachtung zeigt sich ein besonders düsteres Bild: Die Produktionserwartungen für 2026 sind negativ – was auf ein weiteres schwieriges Jahr für die deutsche Industrie hindeutet.
Fakten wie hohe Energie-, Arbeits- und Regulierungskosten, sowie geopolitische Handelshemmnisse belasten die Wettbewerbsfähigkeit.
Für Unternehmen im Industrieumfeld heißt das: höhere Risiken, geringere Margen, mögliche Investitionsaufschübe.
Dienstleistungs- und Privatwirtschaft
Auch bei den privatwirtschaftlichen Dienstleistern überwiegt Pessimismus. Das Wachstumspotenzial wird kaum gesehen – was eine gedämpfte Nachfrage und zurückhaltende Geschäftstätigkeit bedeuten kann.
Solche Trends wirken sich insbesondere auf beratende, dienstleistungsorientierte Unternehmen und auf Geschäftsmodelle aus, die stark vom Wachstum abhängen.
Bauwirtschaft
Eine vergleichsweise bessere Nachricht: Im Baugewerbe ergibt sich für 2026 ein ausgeglichenes Erwartungsbild.
Dies bedeutet: Anders als Industrie und Dienstleistung könnte der Bau- und Immobiliensektor zumindest auf Augenhöhe bleiben – wenn auch nicht unbedingt mit Expansion.
Für Vermögensschutzstrategien heißt das: Der Bau-/Immobilienbereich könnte unter aktuellen Rahmenbedingungen eine bevorzugte Defensive darstellen – allerdings mit Hinblick auf Risiken, die auch dort bestehen.
4. Investitionen – Zurückhaltung gewinnt
Die Investitionsbereitschaft deutscher Unternehmen bleibt gedämpft. Laut Umfrage:
- 33 % aller Firmen planen für 2026 niedrigere Investitionsbudgets.
- Nur 23 % planen höhere Investitionen.
- Insbesondere in der Industrie verschärft sich die langjährige Investitionskrise weiter.
Warum ist das relevant? Investitionen sind – neben Konsum und Außenhandel – einer der drei zentralen Wachstumstreiber einer Volkswirtschaft. Wenn Unternehmen sparen statt investieren, fehlen Impulse für Innovation, Produktivität und Expansion.
Aus Sicht des Vermögensschutzes heißt das: Unternehmen mit hoher Investitionsneigung könnten riskanter sein; Branchen mit Neubau-, Maschinen- oder Produktinnovationsbedarf könnten langfristig Wettbewerbsnachteile erleiden. Stabilere Ansätze könnten – zumindest temporär – in Bereichen liegen, die weniger Investitionszyklen benötigen oder sich durch Substanzwerten kennzeichnen.
5. Beschäftigungsaussichten – Personalabbau im Kommen
Die Umfrage zeigt deutliche Signale bei den Beschäftigungsperspektiven:
- In der Privatwirtschaft planen 36 % der Unternehmen Personalabbau – doppelt so viele wie jene, die mit mehr Mitarbeitern rechnen.
- In der Industrie sind es sogar 41 % der Firmen, die weniger Personal einstellen möchten, bei nur 15 %, die mit mehr Mitarbeitern planen.
- Auch bei privaten Dienstleistern erwartet über ein Drittel weniger Personal.
Für den Arbeitsmarkt, für Verbraucher- und Konsumentenseite bringt das folgende Implikationen: Weniger Arbeitsplätze oder ein stagnierender Arbeitsmarkt können Konsum- und Nachfrageimpulse schwächen, was wiederum Unternehmen trifft. Die Zeiten sind nicht gerade expansionsgetrieben. Daher lohnt es, Modelle mit geringer Personalabhängigkeit oder solche mit hoher Automatisierungs- / Innovationskompetenz zu prüfen.
6. Außenwirtschaft und Weltlage – kein Rückenwind
Ein wichtiger Hintergrundfaktor ist die schwache Weltwirtschaft und geopolitische Unsicherheit. Das IW-Kurzbericht weist darauf hin:
- Die weltwirtschaftliche Expansion verlangsamt sich.
- Der deutsche Außenhandel bleibt unter dem Einfluss von Handelskonflikten und Umstrukturierung in globalen Lieferketten.
- Das schwache Export- und Importumfeld belastet insbesondere die deutsche Industrie.
Dies macht deutlich: Selbst bei nationalen Stimuli ist der Erfolg limitiert durch externe Rahmenbedingungen. Für Unternehmen und Investoren bedeutet das: Nicht nur inländische Indikatoren zählen – die globale Wettbewerbs- und Handelssituation bleibt kritisch.
7. Was bedeutet das für Vermögensschutz und Unternehmensstrategie?
Zusammengefasst zeigt die Herbst-2025-Umfrage des IW ein eher trübes Bild: Keine breite Aufschwungsdynamik, zurückhaltende Investitionen, negative Erwartungen bei Produktion und Beschäftigung – und das quer durch zentrale Wirtschaftsbereiche.
Konsequenzen im Überblick
- Vorsicht bei Wachstumsannahmen: Unternehmen und Investoren sollten nicht von einer raschen Erholung ausgehen, sondern Strategien auf moderates Wachstum oder sogar Stagnation abstimmen.
- Investitionen prüfen: Besonders Branchen mit hohem Investitionsbedarf sind risikobehaftet; alternativ könnten Substanzwerte, Dienstleistungsmodelle mit geringem Kapitaleinsatz oder defensive Anlagen attraktiver sein.
- Arbeitskosten & Automatisierung: Da Personalabbau erwartet wird, könnte Automatisierung bzw. Effizienz innerhalb des Unternehmens wichtiger werden – Unternehmer sollten hier strategisch ausrichten.
- Immobilien/Bau als Relativ-Stärke: Der Bau- / Immobilienbereich zeigt zumindest ein ausgeglichenes Bild – hier könnte sich ein vorsichtiger Einstieg lohnen, allerdings mit Blick auf Zins-, Genehmigungs- und Kostenrisiken (vgl. auch Wohnungsbau-Prognose)
- Globale Risiken im Blick behalten: Nicht nur nationale Rahmenbedingungen zählen – Handels-, Energie-, Rohstoff- und Regulierungskosten machen die Lage komplexer.
Hinweis für Sie
Sie sollten die folgende Richtung einnehmen:
- Realistische Szenarien aufzeigen: Nicht „Wachstum garantiert“, sondern „Wie man auch bei Stagnation agiert“.
- Risiken transparent darstellen: Investitions-, Personal-, Export- und Strukturkostenrisiken.
- Chancen bei Defensivstrategie identifizieren: Stabilität vor Wachstum, Infrastruktur- oder Bau-Segment, Kostenmanagement.
- Unternehmensführung mit Blick auf Struktur: Weniger verletzlich durch globale Handelsrisiken, mehr Autonomie, geringere Fixkosten.
- Vermögensschutz-Strategien: Schutz vor Wirtschaftsrückschlag – Liquidität, Stabilitätsorientierung, Inflations- / Zinsrisiken im Blick behalten.
8. Ausblick – was könnte 2026 bringen?
Die Umfrage deutet für 2026 zwar eine leichte Verbesserung an, doch das größte Wachstum wird nicht erwartet. Das nächste Jahr dürfte von folgenden Entwicklungen geprägt sein:
- Leichtes Wachstum: Wenn überhaupt, dürfte das Wachstum moderat ausfallen – keine Explosion, aber vielleicht ein kleines Plus. (Kurzer Blick auf Prognose: 2026 mit „gut 1 %“ Wachstum im Bericht des IW).
- Weiterhin Investitionsstau: Solange strukturelle Reformen, regulatorische Entlastungen und Investitionsanreize nicht greifen, bleibt die Investitionslage gehemmt.
- Strukturwandel wird wichtiger: Klimaschutz, Digitalisierung, Transformation der Industrie – Unternehmen, die hier vorn sind, haben bessere Chancen.
- Arbeitsmarkt bleibt herausfordernd: Neue Arbeitsplätze dürften nicht in großer Zahl entstehen, zumindest in vielen Branchen – was den Konsum limitiert.
- Gefährdungen durch externe Faktoren: Energiepreise, geopolitische Verschiebungen, Lieferkettenprobleme bleiben Risiken.
Für Unternehmer heißt das: Wer 2026 plant, sollte nicht auf eine glänzende Erholung bauen, sondern auf solide, nachhaltige Geschäftsmodelle, die auch in einem Umfeld mit niedrigerer Dynamik bestehen können. Vermögensschutz-Orientierung heißt dann: Szenarien mit wenig Wachstum und möglichem Rückschlag durchdenken.
9. Handlungsempfehlungen für Unternehmer & Anleger
Für Unternehmer
- Prüfen Sie Ihre Kostenstruktur: In Zeiten mit begrenztem Wachstum sind Flexibilität, Effizienz und Reduktion von Fixkosten wichtiger als Expansion um jeden Preis.
- Blick auf internationale Risiken: Wenn Sie stark exportorientiert sind oder stark von globalen Lieferketten abhängen, kann ein strategischer Rückzug bzw. Diversifikation sinnvoll sein.
- Investitionen hinterfragen: Fokus auf Projekte mit schneller Amortisation oder geringem Risiko; große Capex-Vorhaben nur bei klarer Strategie und solides Umfeld.
- Beschäftigung und Skills: Automatisierung, Qualifizierung, strategische Partnerschaften – wichtig, um Personalkosten zu steuern und gleichzeitig Innovationskraft zu erhalten.
- Aufbau von Liquidität und Reserven: Immer wichtiger in schwierigem Umfeld – gute Versicherung gegen Konjunkturrückschlag.
Für Anleger & Vermögensschützer
- Defensive Positionierung: Investments, die weniger vom Wirtschaftszyklus abhängen (z. B. defensivere Branchen, Substanzwerte) bevorzugen.
- Immobilien differenziert betrachten: Der Bau-/Immobilienbereich zeigt relative Stärke, aber Zins-, Baukosten- und Genehmigungsrisiken bleiben.
- Internationale Diversifikation: Nicht nur Deutschland – da global viele Risiken wirken.
- Strukturierte Szenarien für Rückschlag: Portfolios so aufbauen, dass sie auch bei geringem Wachstum oder leichtem Rückgang Bestand haben.
- Reformen und Politik im Blick behalten: Steuer-, Investitions-, Energiepolitik können Wendepunkte sein.
Schlussgedanken – IW-Konjunkturumfrage Herbst 2025
Die Herbst-2025-Umfrage des IW signalisiert deutlich: Die deutsche Wirtschaft steht nicht am Beginn eines starken Aufschwungs, sondern in einer Phase der Vorsicht, Unsicherheit und Zurückhaltung. Für Unternehmen, Investoren und Vermögens- bzw. Unternehmensstrategen heißt das: Wachstumsfantasien sollte man heute hinterfragen – stattdessen geht es um Stabilisierung, Risikomanagement und Anpassung.
Ein Stimmungsumschwung lässt also tatsächlich auf sich warten – und genau darin liegt sowohl Herausforderung als auch Chance: Wer heute nicht auf das Wachstum von gestern setzt, sondern auf die Bedingungen von morgen reagiert, kann strategisch gut positioniert sein.

