Produktion nach Vietnam verlagern: Warum China schwächelt und Vietnam 2026 gewinnt

Von Dr. Joachim Schmitz

China verliert wirtschaftlich an Dynamik, während Vietnam immer größere ausländische Investitionen anzieht.

Für deutsche und europäische Unternehmen stellt sich damit eine strategische Frage: Sollten sie ihre Produktion nach Vietnam verlagern, neue Lieferanten in Vietnam aufbauen oder zusätzlich zum bestehenden China-Geschäft einen zweiten asiatischen Standort entwickeln?

Die Antwort lautet in den meisten Fällen nicht „China oder Vietnam“, sondern China plus Vietnam.

Vietnam kann Abhängigkeiten reduzieren, Beschaffungsrisiken verteilen, neue Absatzmärkte in Südostasien erschließen und den Zugang zu internationalen Handelsabkommen verbessern.

Eine Produktionsverlagerung ist jedoch kein Selbstläufer. Unternehmen müssen Eigentums- und Beteiligungsrechte, Genehmigungen, Lieferketten, Ursprungsregeln, Standortbedingungen, Qualitätskontrolle und lokale Geschäftspartner sorgfältig prüfen.

Das Wichtigste in Kürze

Chinas offizieller Einkaufsmanagerindex für die Industrie sank im Juli 2026 auf 49,2 Punkte. Neuaufträge, Exportaufträge und Produktion rutschten unter die Wachstumsschwelle.

Gleichzeitig verlangsamte sich das chinesische Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal auf 4,3 Prozent. Dennoch bleiben Hightech-, Ausrüstungs- und exportorientierte Industrien leistungsfähig.

China ist deshalb nicht plötzlich als Produktionsstandort ungeeignet. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Risiken einer einseitigen Abhängigkeit werden jedoch immer sichtbarer.

Vietnam meldete für das erste Halbjahr 2026 ausländische Direktinvestitionen von insgesamt 34,65 Milliarden US-Dollar. Das waren rund 61 Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Die tatsächlich realisierten Investitionen erreichten 13,03 Milliarden US-Dollar und stiegen um 11,2 Prozent.

Für Unternehmer bedeutet das:

  • Vietnam wird als Produktionsstandort international ernst genommen.
  • Die Konkurrenz um geeignete Grundstücke, Fachkräfte und zuverlässige Zulieferer wächst.
  • Der Markteintritt sollte nicht übereilt, aber auch nicht unbegrenzt aufgeschoben werden.
  • Der sinnvollste Einstieg ist häufig ein Pilotprojekt und nicht sofort der Bau einer eigenen Fabrik.
  • China-plus-one entwickelt sich von einem theoretischen Konzept zu einer praktischen Unternehmensstrategie.
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China schwächelt – bleibt aber ein industrielles Schwergewicht

Der offizielle chinesische Einkaufsmanagerindex sank im Juli 2026 von 50,3 auf 49,2 Punkte. Werte unter 50 signalisieren eine schrumpfende industrielle Aktivität.

Der Teilindex für Neuaufträge fiel auf 48,5 Punkte, die Exportaufträge auf 49,6 Punkte und die Produktion auf 49,9 Punkte.

Besonders betroffen waren traditionellere, stärker vom chinesischen Binnenmarkt abhängige Industrien.

Die Bereiche Hightech und Ausrüstung lagen dagegen weiterhin im Wachstumsbereich. Parallel zeigte ein privat erhobener Einkaufsmanagerindex mit 50,9 Punkten noch eine leichte Expansion, allerdings ebenfalls mit deutlich schwächerem Wachstum bei Produktion und Neuaufträgen.

Auch die gesamtwirtschaftlichen Daten zeigen eine Abkühlung.

Das chinesische Bruttoinlandsprodukt wuchs im ersten Quartal 2026 noch um 5,0 Prozent, im zweiten Quartal aber nur noch um 4,3 Prozent.

Die Investitionen in das verarbeitende Gewerbe gingen im ersten Halbjahr um 1,2 Prozent zurück, während die Immobilieninvestitionen um 18 Prozent sanken.

Gleichzeitig stiegen die Exporte, die industrielle Wertschöpfung und besonders die Produktion von Hightech-Gütern weiter.

China erlebt damit keinen allgemeinen industriellen Zusammenbruch. Es entsteht vielmehr eine Zwei-Geschwindigkeiten-Wirtschaft.

Einerseits wachsen künstliche Intelligenz, Batterietechnik, Robotik, Elektronik und hochwertige Ausrüstung.

Andererseits leiden zahlreiche traditionelle Hersteller unter schwacher Inlandsnachfrage, sinkenden Auftragseingängen, Überkapazitäten, Preisdruck und steigenden Kosten.

Für europäische Unternehmen ist das ein Warnsignal.

Wer seine gesamte Produktion, sämtliche Werkzeuge, alle Vorprodukte und das vollständige Lieferantenwissen in China konzentriert, trägt ein erhebliches Klumpenrisiko.

Produktion nach Vietnam verlagern Infografik

Produktion nach Vietnam verlagern Infografik

Warum die Abhängigkeit von China zum strategischen Risiko wird

China verfügt weiterhin über eines der leistungsfähigsten industriellen Ökosysteme der Welt.

Zulieferer, Werkzeugbauer, Logistikunternehmen, Maschinenhersteller, Verpackungsbetriebe und technische Dienstleister sind in vielen Regionen eng miteinander vernetzt.

Gerade diese Stärke hat jedoch dazu geführt, dass viele europäische Unternehmen über Jahre immer größere Teile ihrer Wertschöpfung nach China verlagert haben.

Die damit verbundenen Risiken werden häufig erst sichtbar, wenn eine Lieferkette unterbrochen wird.

Zu den zentralen Abhängigkeiten gehören:

  • Konzentration auf einzelne chinesische Lieferanten,
  • fehlende alternative Werkzeugbauer,
  • chinesische Kontrolle über technische Dokumentationen,
  • Abhängigkeit von chinesischen Rohstoffen und Vorprodukten,
  • fehlende Ersatzteilversorgung außerhalb Chinas,
  • lange Transportwege,
  • geopolitische Spannungen,
  • mögliche Handelsbeschränkungen,
  • steigende Löhne und Produktionskosten,
  • Währungs- und Finanzierungsrisiken,
  • Exportkontrollen und regulatorische Veränderungen.

Eine China-plus-one-Strategie soll diese Risiken nicht vollständig beseitigen. Sie soll verhindern, dass ein Unternehmen von einem einzigen Land, einem einzigen Produktionsstandort oder einer einzigen Lieferkette abhängig bleibt.

Vietnam zieht immer mehr internationales Kapital an

Während China an Dynamik verliert, beschleunigt Vietnam seine Entwicklung zum internationalen Produktionsstandort.

Die 34,65 Milliarden US-Dollar registrierter ausländischer Direktinvestitionen im ersten Halbjahr 2026 zeigen zunächst das Vertrauen und die geplanten Projekte internationaler Investoren.

Noch wichtiger sind die tatsächlich ausgezahlten 13,03 Milliarden US-Dollar. Sie zeigen, dass Projekte nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt werden.

Bereits im ersten Quartal 2026 entfielen rund 61 Prozent des neu registrierten ausländischen Kapitals auf das verarbeitende Gewerbe.

Zu den größeren Projekten gehörten Investitionen in Leiterplatten, elektrische Komponenten, Edelstahl, Textilien und weitere industrielle Bereiche.

Auch der Außenhandel wächst kräftig.

Vietnam exportierte im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 266,52 Milliarden US-Dollar. Das entsprach einem Wachstum von 21 Prozent.

Unternehmen mit ausländischer Beteiligung verantworteten dabei 79,9 Prozent der vietnamesischen Warenausfuhren.

Diese Zahlen zeigen zugleich eine Stärke und eine Schwäche Vietnams.

Die Stärke besteht darin, dass das Land bereits tief in internationale Produktionsketten eingebunden ist.

Die Schwäche liegt darin, dass ein großer Teil der exportorientierten Industrie von ausländischen Unternehmen, importierten Komponenten und internationalem Know-how abhängig bleibt.

Warum Vietnam von der China-plus-one-Strategie profitiert

1. Geografische Nähe zu China

Vietnam grenzt unmittelbar an China.

Der Norden des Landes liegt nahe an wichtigen chinesischen Industriezentren und Zuliefernetzwerken.

Unternehmen können deshalb bestimmte Komponenten zunächst weiterhin aus China beziehen, während Montage, Verarbeitung oder Endfertigung schrittweise nach Vietnam verlagert werden.

Das erleichtert einen kontrollierten Übergang.

Maschinen, Werkzeuge, Rohstoffe und spezialisierte Teile müssen nicht sofort vollständig durch vietnamesische Alternativen ersetzt werden.

Gerade für mittelständische Unternehmen kann diese räumliche Nähe entscheidend sein. Eine vollständige Entkopplung von China wäre für viele Betriebe kurzfristig weder wirtschaftlich noch technisch möglich.

Vietnam ermöglicht dagegen eine schrittweise Diversifizierung.

2. Wettbewerbsfähige Kostenstruktur

Vietnam bietet bei zahlreichen arbeitsintensiven und mittelkomplexen Fertigungsprozessen weiterhin niedrigere Kosten als die etablierten chinesischen Küstenregionen.

Dieser Vorteil darf jedoch nicht allein anhand des Stundenlohns beurteilt werden.

Für die tatsächlichen Herstellkosten sind auch folgende Faktoren entscheidend:

  • Produktivität der Beschäftigten,
  • Ausschussquote,
  • Schulungsaufwand,
  • Qualitätskontrolle,
  • Energiekosten,
  • Transportkosten,
  • Finanzierungskosten,
  • Werkzeug- und Maschinenkosten,
  • Zollbelastung,
  • lokale Managementkosten,
  • Reise- und Betreuungskosten.

Qualifizierte Fachkräfte werden zudem knapper.

Ungelernte Arbeitskräfte sind weiterhin zu vergleichsweise günstigen Konditionen verfügbar. Gut ausgebildete Ingenieure, Techniker, Qualitätsmanager und Führungskräfte sind dagegen schwerer zu finden und werden zunehmend teurer.

Eine belastbare Wirtschaftlichkeitsrechnung muss deshalb den vollständigen Produktionsprozess betrachten und darf nicht bei den Lohnkosten enden.

3. Zugang zu internationalen Absatzmärkten

Vietnam verfügt über ein weitreichendes Netz von Handelsabkommen.

Für europäische Unternehmen ist insbesondere das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und Vietnam relevant.

Das Abkommen kann Zölle reduzieren und den Marktzugang erleichtern. Die Vorteile gelten jedoch nicht automatisch.

Produkte müssen die jeweils geltenden Ursprungsregeln erfüllen.

Entscheidend sind unter anderem:

  • die richtige Zolltarifnummer,
  • der Ursprung der verwendeten Materialien,
  • die in Vietnam ausgeführten Verarbeitungsschritte,
  • die Wertschöpfungstiefe,
  • die erforderlichen Ursprungsnachweise.

Gerade Unternehmen, die chinesische Vorprodukte lediglich in Vietnam montieren, verpacken oder geringfügig bearbeiten lassen, können an diesen Ursprungsregeln scheitern.

Die Verlagerung der Endmontage nach Vietnam führt nicht automatisch dazu, dass ein Produkt zollrechtlich als vietnamesisches Erzeugnis anerkannt wird.

Die Ursprungsprüfung sollte deshalb bereits vor der Standort- und Investitionsentscheidung erfolgen.

4. Wachsende industrielle Ökosysteme

Vietnam besitzt inzwischen leistungsfähige industrielle Cluster unter anderem in den Bereichen:

  • Elektronik,
  • elektrotechnische Komponenten,
  • Leiterplatten,
  • Halbleiterverpackung,
  • Metallverarbeitung,
  • Maschinenbau,
  • Fahrzeugkomponenten,
  • Textilien und Bekleidung,
  • Schuhe und Lederwaren,
  • Möbel und Holzverarbeitung,
  • Kunststoffe,
  • Verpackungen,
  • Konsumgüter,
  • Lebensmittelverarbeitung.

Besonders der Norden rund um Hanoi, Bac Ninh, Bac Giang, Hai Phong, Hung Yen und Thai Nguyen profitiert von Investitionen in Elektronik, Maschinenbau und industrielle Zulieferstrukturen.

Der Süden rund um Ho-Chi-Minh-Stadt, Binh Duong, Dong Nai, Long An und Ba Ria–Vung Tau verfügt über etablierte Industriegebiete, Häfen, Konsumgüterproduktion und den Zugang zum wirtschaftlich stärksten Ballungsraum des Landes.

Zentralvietnam kann für Unternehmen interessant sein, die günstigere Flächen, Hafenanbindung und eine Position zwischen Nord- und Südvietnam suchen.

Die Standortentscheidung sollte jedoch niemals nur anhand des Grundstückspreises getroffen werden.

Wichtiger sind:

  • Nähe zu Zulieferern,
  • Verfügbarkeit von Fachkräften,
  • Stromversorgung,
  • Wasser- und Abwasserkapazitäten,
  • Hafen- und Flughafenanbindung,
  • Straßeninfrastruktur,
  • Genehmigungsfähigkeit der Produktion,
  • Entfernung zu Kunden,
  • lokale Kostenentwicklung.

5. Zugang zum ASEAN-Markt

Eine Produktionsstätte in Vietnam kann nicht nur der Belieferung Europas dienen.

Vietnam ist Teil der wirtschaftlich wachsenden ASEAN-Region.

Unternehmen können von dort aus Kunden in Thailand, Malaysia, Indonesien, Singapur, den Philippinen und weiteren asiatischen Märkten bedienen.

Damit wird die Produktionsverlagerung zugleich zu einer Markteintrittsstrategie für Südostasien.

Für Unternehmen, die bisher ausschließlich aus Deutschland oder China nach Südostasien liefern, kann ein vietnamesischer Standort Transportwege verkürzen, lokale Kundenanforderungen besser bedienen und neue Geschäftsmöglichkeiten eröffnen.

Vietnam ersetzt China nicht vollständig

Der größte strategische Fehler wäre, Vietnam als vollständig von China unabhängigen Produktionsstandort zu betrachten.

Vietnam importierte im ersten Halbjahr 2026 Waren im Wert von 283,17 Milliarden US-Dollar.

Allein aus China kamen Waren im Wert von 115,2 Milliarden US-Dollar. Das entsprach rechnerisch rund 40,7 Prozent aller vietnamesischen Warenimporte.

Ein erheblicher Teil der vietnamesischen Exportindustrie verarbeitet daher chinesische Maschinen, elektronische Bauteile, Metalle, Chemikalien, Textilien, Kunststoffe und andere Vorprodukte.

Das bedeutet:

Eine Verlagerung der Endmontage nach Vietnam reduziert möglicherweise das unmittelbare China-Risiko. Sie beseitigt aber nicht automatisch die Abhängigkeit von chinesischen Lieferketten.

Unternehmer sollten deshalb nicht nur den Ort der Endfertigung prüfen, sondern die gesamte Wertschöpfungskette.

Zu klären ist unter anderem:

  • Woher kommen die Rohstoffe?
  • Woher stammen die Vormaterialien?
  • Wo befinden sich Werkzeugbau und Ersatzteilversorgung?
  • Welche Produktionsschritte sind nur in China verfügbar?
  • Wo werden Software und Firmware entwickelt?
  • Wer kontrolliert technische Zeichnungen und Dokumentationen?
  • Welche Lieferanten arbeiten mit chinesischen Unterlieferanten?
  • Welche Komponenten können kurzfristig nicht ersetzt werden?
  • Was geschieht bei einer Unterbrechung des chinesisch-vietnamesischen Warenverkehrs?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, wie viel Risikodiversifizierung tatsächlich erreicht wird.

Fünf Wege, die Produktion nach Vietnam zu verlagern

Eine Produktionsverlagerung muss nicht mit einer eigenen Fabrik beginnen.

Für deutsche Unternehmen stehen grundsätzlich mehrere Einstiegsmodelle zur Verfügung.

Einstiegsmodell Kapitalbedarf Kontrolle Besonders geeignet für
Vietnamesische Lieferanten niedrig begrenzt Erste Beschaffungsdiversifizierung
Auftragsfertigung niedrig bis mittel mittel Pilotserien und definierte Produkte
Montage und Endfertigung mittel mittel bis hoch Schrittweise Produktionsverlagerung
Joint Venture mittel bis hoch abhängig vom Partner Lokaler Marktzugang und bestehende Ressourcen
Eigene Gesellschaft und Produktion hoch hoch Langfristiger strategischer Standort

Modell 1: Beschaffung bei vietnamesischen Lieferanten

Der risikoärmste Einstieg besteht darin, einzelne Produktgruppen oder Komponenten in Vietnam zu beschaffen.

Unternehmen können zunächst mehrere Lieferanten identifizieren, Muster anfertigen lassen und kleinere Aufträge vergeben.

Dabei werden unter realen Bedingungen geprüft:

  • Produktqualität,
  • Kommunikation,
  • Termintreue,
  • Produktionskapazität,
  • Dokumentation,
  • technische Kompetenz,
  • Reaktionsgeschwindigkeit,
  • Skalierbarkeit.

Dieses Modell eignet sich für Unternehmen, die ihre Lieferantenbasis diversifizieren wollen, ohne sofort eigenes Kapital in Gebäude und Maschinen zu investieren.

Die Lieferantensuche sollte jedoch nicht bei einer Internetrecherche enden.

Ein professioneller Prozess umfasst Betriebsbesichtigungen, Qualitätsaudits, Unternehmensprüfungen, Referenzkontrollen und eine Überprüfung der tatsächlichen Produktionskapazitäten.

Modell 2: Auftragsfertigung

Bei der Auftragsfertigung produziert ein vietnamesisches Unternehmen nach den technischen Vorgaben des europäischen Auftraggebers.

Wesentliche Erfolgsfaktoren sind:

  • präzise technische Spezifikationen,
  • eindeutige Qualitätskriterien,
  • abgesicherte Eigentumsrechte an Werkzeugen,
  • Schutz technischer Unterlagen,
  • regelmäßige Produktionskontrollen,
  • klare Regelungen bei Ausschuss,
  • eindeutige Lieferfristen,
  • Vertragsstrafen bei Pflichtverletzungen,
  • auditierbare Unterlieferanten.

Ein niedriger Angebotspreis ist kein ausreichender Entscheidungsgrund.

Entscheidend ist der vollständige Einstandspreis einschließlich Qualitätsprüfung, Nacharbeit, Fracht, Zoll, Finanzierung und Ausfallrisiko.

Auch das Eigentum an Werkzeugen, Formen und Vorrichtungen muss eindeutig geregelt sein.

Unternehmen sollten vermeiden, dass ein Lieferant faktisch die Kontrolle über produktionskritische Werkzeuge erhält.

Modell 3: Montage oder letzter Fertigungsschritt in Vietnam

Viele Unternehmen verlagern zunächst nur arbeitsintensive oder klar abgrenzbare Produktionsschritte.

Komplexe Komponenten können weiterhin aus Deutschland, Europa, China, Südkorea oder Japan geliefert werden.

In Vietnam erfolgen anschließend:

  • Montage,
  • Prüfung,
  • Verpackung,
  • Konfiguration,
  • kundenspezifische Anpassung,
  • Endkontrolle.

Dieses Modell reduziert den Kapitalbedarf und ermöglicht einen schrittweisen Kompetenzaufbau.

Gleichzeitig muss geprüft werden, ob die Verarbeitungstiefe ausreicht, um gewünschte Ursprungs- oder Zollvorteile zu erreichen.

Eine einfache Montage kann wirtschaftlich sinnvoll sein, ohne jedoch einen präferenziellen vietnamesischen Ursprung zu begründen.

Modell 4: Joint Venture mit einem lokalen Partner

Ein Joint Venture kann Zugang zu Grundstücken, Personal, Behördenkontakten, Kunden und bestehenden Produktionsstrukturen ermöglichen.

Der lokale Partner ist jedoch nicht automatisch eine Risikoreduzierung.

Ein ungeeigneter Partner kann zum größten Risiko des gesamten Projekts werden.

Vor einer Beteiligung sollten unter anderem geprüft werden:

  • Eigentümerstruktur,
  • wirtschaftlich Berechtigte,
  • Verbindlichkeiten,
  • Steuerhistorie,
  • Gerichtsverfahren,
  • bestehende Genehmigungen,
  • Grundstücks- und Nutzungsrechte,
  • verbundene Unternehmen,
  • Abhängigkeiten von einzelnen Kunden,
  • tatsächliche Vermögenswerte,
  • politische und familiäre Verflechtungen.

Auch Minderheitenschutz, Geschäftsführungsbefugnisse, Bankvollmachten, Kapitalerhöhungen, Gewinnausschüttungen und Ausstiegsszenarien müssen vertraglich geregelt sein.

Ein Joint Venture sollte nicht allein deshalb gewählt werden, weil ein Vermittler behauptet, ohne einen lokalen Partner sei ein Projekt nicht möglich.

Modell 5: Eigene Gesellschaft und eigene Produktion

Die höchste Kontrolle bietet eine eigene vietnamesische Gesellschaft mit gemieteter oder selbst aufgebauter Produktionsstätte.

Für viele mittelständische Unternehmen ist das Mieten einer bestehenden Fabrikhalle zunächst sinnvoller als die langfristige Nutzung eines unbebauten Industriegrundstücks mit anschließendem Neubau.

Eine gemietete Produktionshalle bietet häufig folgende Vorteile:

  • geringerer Kapitalbedarf,
  • kürzere Anlaufzeit,
  • schnellerer Produktionsstart,
  • geringeres Standortrisiko,
  • bessere Anpassungsmöglichkeiten,
  • leichterer Ausstieg bei Fehlentwicklung.

Ein deutscher Mittelständler aus dem Bereich Prüfmittel und Kontaktierungstechnik zeigt einen möglichen stufenweisen Weg.

Das Unternehmen begann zunächst mit einem Vertriebsbüro, eröffnete anschließend einen Produktionsstandort in einer gemieteten Fabrik und investierte insgesamt rund fünf Millionen Euro.

Dieses Vorgehen verdeutlicht, dass ein erfolgreicher Vietnam-Einstieg nicht sofort mit einem großen Fabrikneubau beginnen muss.

Produktion nach Vietnam verlagern

Produktion nach Vietnam verlagern

Für welche Unternehmen eignet sich Vietnam besonders?

Eine Produktion in Vietnam ist besonders interessant, wenn:

  • relevante Lieferanten oder Vormaterialien bereits in Vietnam oder der Region verfügbar sind,
  • die Produkte ausreichend standardisierbar sind,
  • der Arbeitskostenanteil einen spürbaren Teil der Gesamtkosten ausmacht,
  • eine zweite asiatische Lieferkette aufgebaut werden soll,
  • ASEAN als zusätzlicher Absatzmarkt interessant ist,
  • die benötigte Infrastruktur in geeigneten Industriegebieten vorhanden ist,
  • die Produkte die erforderlichen Ursprungsregeln erfüllen können,
  • das Unternehmen bereit ist, lokale Qualitäts- und Führungsstrukturen aufzubauen,
  • langfristig ausreichende Stückzahlen geplant sind,
  • die Produktion technisch sauber dokumentiert werden kann.

Besonders geeignet kann Vietnam für Unternehmen aus folgenden Bereichen sein:

  • Elektronik und Elektrotechnik,
  • Kabel und Verbindungstechnik,
  • Metall- und Kunststoffverarbeitung,
  • Maschinenkomponenten,
  • Möbel und Holzerzeugnisse,
  • Textilien und Bekleidung,
  • Schuhe und Lederwaren,
  • Haushalts- und Konsumgüter,
  • Verpackungen,
  • Lebensmittelverarbeitung,
  • industrielle Montage.

Weniger geeignet ist eine schnelle Verlagerung bei hochkomplexen Produkten, die auf Hunderte spezialisierte chinesische Unterlieferanten angewiesen sind.

Auch bei sehr kleinen Stückzahlen, häufig wechselnden technischen Spezifikationen oder extrem kurzen Lieferzeiten kann eine Verlagerung unwirtschaftlich sein.

Unternehmen, die keine eigenen Mitarbeiter oder belastbaren Kontrollmechanismen vor Ort aufbauen wollen, unterschätzen häufig den operativen Aufwand.

Rechtliche Rahmenbedingungen für ausländische Investoren

Beteiligungs- und Marktzugangsrechte

Vietnam hat sein Investitionsrecht 2026 reformiert.

Das Investitionsgesetz von 2025 trat am 1. März 2026 in Kraft. Einzelne Bestimmungen folgten zum 1. Juli 2026.

Die Zahl der bedingt zugänglichen Geschäftsbereiche wurde reduziert.

Ausländische Investoren können unter bestimmten Voraussetzungen eine wirtschaftliche Organisation gründen, bevor das projektbezogene Investment Registration Certificate erteilt oder angepasst wurde.

Voraussetzung bleibt die Einhaltung der jeweiligen Marktzugangsregelungen.

Für ausländische Investoren stehen grundsätzlich unter anderem folgende Gesellschaftsformen zur Verfügung:

  • Ein-Personen-Gesellschaft mit beschränkter Haftung,
  • Gesellschaft mit beschränkter Haftung mit mehreren Gesellschaftern,
  • Aktiengesellschaft,
  • Personengesellschaft.

Welche Struktur geeignet ist, hängt von Beteiligungsverhältnissen, Finanzierung, Haftung, Ausschüttungsplanung und einem späteren Verkauf ab.

Die Gesellschaftsgründung sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden.

Sie muss mit dem konkreten Investitionsprojekt, den erforderlichen Genehmigungen, den Kapitalanforderungen und der späteren Gewinnverwendung abgestimmt werden.

Grundstücke und Nutzungsrechte

Grund und Boden stehen in Vietnam nicht im klassischen deutschen Sinne im Privateigentum.

Der Staat verwaltet das Land und vergibt Landnutzungsrechte beziehungsweise Miet- und Nutzungspositionen.

Auch Unternehmen mit ausländischem Kapital können rechtlich anerkannte Landnutzungsrechte erhalten.

Entscheidend sind jedoch:

  • die konkrete Nutzungsform,
  • die verbleibende Laufzeit,
  • die zulässige Nutzung,
  • bestehende Belastungen,
  • Untervermietungsrechte,
  • Übertragungsrechte,
  • die Genehmigungssituation.

Vor Unterzeichnung eines Grundstücks- oder Fabrikmietvertrags sollten mindestens geprüft werden:

  • Berechtigung des Vermieters oder Industrieparkbetreibers,
  • verbleibende Nutzungsdauer,
  • industrielle Widmung,
  • zulässige Produktionsart,
  • Umweltauflagen,
  • Stromkapazität,
  • Wasserversorgung,
  • Abwasserentsorgung,
  • Brandschutz,
  • Bau- und Betriebsgenehmigungen,
  • Untervermietungsrechte,
  • Übertragungsmöglichkeiten,
  • Folgen einer vorzeitigen Projektbeendigung.

Ein günstiger Standort kann sich als kostspieliger Fehler erweisen, wenn die gewünschte Produktion dort nicht genehmigungsfähig ist.

Steuern und Förderungen

Der reguläre vietnamesische Körperschaftsteuersatz beträgt grundsätzlich 20 Prozent.

Für bestimmte begünstigte Projekte und Tätigkeiten können reduzierte Steuersätze von 10, 15 oder 17 Prozent gelten.

Steuerliche Vergünstigungen sollten jedoch niemals ausschließlich auf Grundlage einer Werbebroschüre eines Industrieparks kalkuliert werden.

Maßgeblich sind unter anderem:

  • Branche,
  • Technologie,
  • Projektumfang,
  • Investitionshöhe,
  • Standort,
  • Beschäftigungseffekt,
  • jeweils geltende gesetzliche Voraussetzungen.

Jede Investitionsrechnung sollte deshalb sowohl ein Szenario mit als auch ein Szenario ohne die erwarteten Förderungen enthalten.

Ein Projekt, das nur durch eine optimistische Förderannahme wirtschaftlich erscheint, besitzt ein erhöhtes Risiko.

Devisentransfers und Gewinnausschüttungen

Fremdwährungsgeschäfte und grenzüberschreitende Überweisungen müssen über autorisierte Kredit- oder Finanzinstitute abgewickelt werden.

Überweisungen für Importe, ausländische Dienstleistungen, Darlehen, Zinsen, Gewinne, Dividenden und Technologieübertragungen sind grundsätzlich möglich.

In der Praxis hängen reibungslose Transfers jedoch von folgenden Voraussetzungen ab:

  • ordnungsgemäße Buchhaltung,
  • steuerliche Compliance,
  • vollständige Bankunterlagen,
  • korrekte Registrierung der Transaktionen,
  • nachweisbare Vertragsgrundlagen,
  • ordnungsgemäße Kapitalstruktur.

Unternehmen sollten deshalb bereits vor der Gründung klären, wie Kapital eingebracht, Darlehen registriert, Gewinne ausgeschüttet und Dienstleistungen zwischen verbundenen Unternehmen abgerechnet werden.

Die zehn wichtigsten Prüfbereiche vor einer Produktionsverlagerung

1. Produkt- und Wertschöpfungsanalyse

Nicht jedes Produkt sollte vollständig verlagert werden.

Zunächst muss untersucht werden, welche Produktionsschritte kosten-, risiko- oder personalintensiv sind und welche Prozesse weiterhin am bisherigen Standort verbleiben sollten.

Möglicherweise ist es wirtschaftlich sinnvoller, nur Montage, Verpackung oder arbeitsintensive Teilprozesse nach Vietnam zu verlagern.

2. Vollständige Kostenrechnung

Verglichen werden darf nicht nur der Fabrikpreis.

Zur Gesamtrechnung gehören:

  • Werkzeuge und Maschinen,
  • Rohstoffe und Vormaterialien,
  • Ausschuss und Nacharbeit,
  • Qualitätskontrolle,
  • Verpackung,
  • Inlandslogistik,
  • internationale Fracht,
  • Versicherung,
  • Zoll,
  • Finanzierung,
  • Personal,
  • lokales Management,
  • Reisen und Betreuung,
  • Lieferverzögerungen,
  • Währungsrisiken.

Erst der vollständige Einstandspreis zeigt, ob Vietnam tatsächlich günstiger ist.

3. Ursprungsregeln

Vor der Standortentscheidung sollten Zolltarifnummern und produktspezifische Ursprungsregeln geprüft werden.

Nur weil die Endmontage in Vietnam erfolgt, besitzt das Produkt nicht automatisch vietnamesischen Ursprung.

Fehlannahmen können dazu führen, dass erwartete Zollvorteile nicht genutzt werden können.

4. Lieferantenstruktur

Nicht nur der direkte Vertragspartner muss geprüft werden.

Auch dessen Rohstoffquellen, Unterlieferanten und ausgelagerte Produktionsschritte sind relevant.

Ein vietnamesischer Lieferant kann seinerseits vollständig von chinesischen Vorprodukten abhängig sein.

5. Qualitätsmanagement

Bei technischen Produkten sind klare Prüfpläne, Grenzmuster, Messverfahren, Freigabeprozesse und Rückverfolgbarkeit unverzichtbar.

Qualität darf nicht erst nach der Ankunft der Ware in Europa kontrolliert werden.

Die Prüfung muss bereits während der Produktion stattfinden.

6. Schutz von Werkzeugen und geistigem Eigentum

Werkzeuge, Formen, Zeichnungen, Software, technische Dokumentationen und Markenrechte sollten eindeutig zugeordnet und vertraglich geschützt werden.

Auch Zugriffsrechte, Datenspeicherung und die Verwendung von Unterlieferanten müssen geregelt werden.

7. Partnerprüfung

Bei lokalen Partnern sind nicht nur Handelsregisterdaten wichtig.

Zu prüfen sind auch:

  • wirtschaftlich Berechtigte,
  • Verbindlichkeiten,
  • Steuerhistorie,
  • Gerichtsverfahren,
  • Referenzen,
  • tatsächliche Produktionskapazitäten,
  • verbundene Unternehmen,
  • Grundstücksrechte,
  • finanzielle Stabilität.

8. Standort- und Grundstücksprüfung

Ein günstiges Grundstück ist wertlos, wenn die Produktionsart nicht genehmigt wird, die Stromversorgung nicht ausreicht oder die Landnutzungsdauer zu kurz ist.

Standortprüfung und rechtliche Prüfung müssen deshalb miteinander verbunden werden.

9. Personalstrategie

Benötigt werden nicht nur Produktionsmitarbeiter.

Erforderlich sind häufig auch:

  • lokale Führungskräfte,
  • Qualitätsverantwortliche,
  • technische Leiter,
  • Buchhaltung,
  • Personalverwaltung,
  • Einkauf,
  • Logistik,
  • Compliance.

Die Verfügbarkeit dieser Mitarbeiter kann wichtiger sein als ein niedriger Grundstückspreis.

10. Ausstiegs- und Notfallplanung

Bereits vor Projektbeginn muss geklärt werden, wie Maschinen, Werkzeuge, Warenbestände und Gesellschaftsanteile bei einem Scheitern verkauft, übertragen oder ausgeführt werden können.

Auch mögliche Streitigkeiten mit Partnern, Vermietern oder Behörden sollten in der Vertragsgestaltung berücksichtigt werden.

Ein realistischer 100-Tage-Plan

Tage 1 bis 30: Strategische Vorprüfung

In der ersten Phase werden analysiert:

  • Produkte,
  • Stückzahlen,
  • Zielkosten,
  • Zolltarifnummern,
  • notwendige Vormaterialien,
  • Qualitätsanforderungen,
  • bestehende China-Abhängigkeiten,
  • mögliche Verlagerungsstufen.

Das Ergebnis sollte eine klare Entscheidung liefern, welche Komponenten oder Produktionsschritte überhaupt für Vietnam geeignet sind.

Tage 31 bis 60: Markt-, Standort- und Partnersuche

Anschließend werden geeignete Regionen, Industriegebiete, Lieferanten und Auftragsfertiger identifiziert.

Erste Betriebsbesichtigungen, Managementgespräche und technische Prüfungen sollten vor Ort stattfinden.

Gleichzeitig beginnt die rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Due Diligence.

Tage 61 bis 100: Pilotierung

Nun folgen Muster, Nullserien oder begrenzte Pilotaufträge.

Geprüft werden:

  • Qualität,
  • tatsächliche Kosten,
  • Lieferzeit,
  • Kommunikation,
  • Dokumentation,
  • Skalierbarkeit,
  • Reklamationsbearbeitung.

Erst nach erfolgreicher Pilotierung sollte über größere Aufträge, eine eigene Gesellschaft oder eine Produktionsstätte entschieden werden.

Wann Unternehmen nicht nach Vietnam verlagern sollten

Eine Produktionsverlagerung ist nicht sinnvoll, wenn sie ausschließlich durch kurzfristig niedrigere Löhne motiviert ist.

Auch bei folgenden Voraussetzungen kann ein Vietnam-Projekt teurer und riskanter werden als die bestehende Lösung:

  • fehlendes lokales Management,
  • unklare Produktspezifikationen,
  • sehr kleine Stückzahlen,
  • extrem kurze Lieferfristen,
  • vollständige Abhängigkeit von chinesischen Spezialzulieferern,
  • fehlende Qualitätskontrolle vor Ort,
  • unzureichende Finanzierung,
  • unrealistische Förderannahmen,
  • fehlende Exit-Strategie.

Unternehmen sollten ebenfalls vorsichtig sein, wenn ein lokaler Partner ungewöhnlich hohe Renditen, sichere Genehmigungen oder angeblich garantierte Steuervergünstigungen verspricht.

Vietnam bietet große Chancen.

Gerade deshalb zieht der Markt auch Vermittler an, deren Kontakte, Genehmigungen oder Grundstücksrechte nicht der Darstellung entsprechen.

Vietnam ist der zweite Standort – nicht die blinde Flucht aus China

Die wirtschaftliche Abschwächung Chinas und der starke Investitionszufluss nach Vietnam markieren eine strukturelle Veränderung der asiatischen Produktionslandschaft.

Vietnam bietet deutschen Unternehmen eine realistische Möglichkeit, ihre Lieferketten zu diversifizieren, Kostenstrukturen neu zu ordnen und Zugang zu ASEAN sowie weiteren internationalen Märkten aufzubauen.

Die richtige Strategie lautet jedoch nicht, funktionierende chinesische Strukturen über Nacht aufzugeben.

Erfolgreiche Unternehmen gehen schrittweise vor.

Sie prüfen zunächst Produkte und Lieferketten, testen vietnamesische Lieferanten, starten Pilotserien, bauen lokale Qualitätskontrollen auf und entscheiden erst anschließend über eine eigene Gesellschaft oder Fabrik.

China plus Vietnam ist damit keine kurzfristige Mode.

Die China-plus-one-Strategie ist für viele Industrie- und Handelsunternehmen eine Form strategischer Risikovorsorge.

Häufige Fragen zur Produktionsverlagerung nach Vietnam

Ist Vietnam eine echte Alternative zu China?

Vietnam ist bei zahlreichen arbeitsintensiven und mittelkomplexen Produkten eine belastbare Alternative.

Bei hochkomplexen Lieferketten ersetzt das Land China häufig nicht vollständig. In diesen Fällen eignet sich Vietnam besser als zusätzlicher Produktions- und Beschaffungsstandort.

Kann ein deutsches Unternehmen eine eigene Fabrik in Vietnam besitzen?

Ein ausländischer Investor kann grundsätzlich eine vietnamesische Gesellschaft gründen und eine Produktion betreiben, sofern die jeweilige Tätigkeit für ausländische Investoren zugänglich ist und alle projektbezogenen Genehmigungen vorliegen.

Grund und Boden werden jedoch über Landnutzungs- beziehungsweise Mietrechte genutzt.

Wie hoch ist die Körperschaftsteuer in Vietnam?

Der reguläre Körperschaftsteuersatz beträgt grundsätzlich 20 Prozent.

Abhängig von Tätigkeit, Investitionsprojekt und Standort können besondere Steuersätze und Vergünstigungen gelten. Eine projektbezogene steuerliche Prüfung bleibt notwendig.

Können Gewinne aus Vietnam nach Deutschland überwiesen werden?

Gewinne und Dividenden können grundsätzlich über autorisierte Banken transferiert werden.

Dafür müssen die steuerlichen, bilanziellen und devisenrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sowie die erforderlichen Unterlagen vorgelegt werden.

Gilt ein in Vietnam montiertes Produkt automatisch als vietnamesisches Produkt?

Nein.

Für Zollpräferenzen sind die jeweils geltenden produktspezifischen Ursprungsregeln entscheidend. Eine einfache Montage oder Verpackung kann unzureichend sein.

Sollte man zuerst eine Firma gründen oder einen Lieferanten suchen?

Für viele mittelständische Unternehmen ist es sinnvoller, zunächst Lieferanten, Auftragsfertiger und die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen.

Eine eigene Gesellschaft sollte gegründet werden, wenn ein belastbares Geschäftsmodell, ein konkreter Standort und ein realistischer Umsetzungsplan vorliegen.

Welche Region Vietnams ist für Produktion besonders geeignet?

Das hängt von der jeweiligen Branche ab.

Nordvietnam ist besonders stark bei Elektronik, Maschinenbau und industriellen Zulieferern. Südvietnam bietet etablierte Industriegebiete, Häfen und Nähe zum größten Wirtschaftsraum des Landes.

Zentralvietnam kann mit günstigeren Flächen und strategischer Hafenlage überzeugen.

Wie beginnt eine China-plus-one-Strategie?

Der Einstieg beginnt mit einer Analyse der bestehenden Abhängigkeiten.

Danach werden geeignete Produkte, Lieferanten und Produktionsschritte ausgewählt. Ein Pilotprojekt mit begrenztem Volumen ist häufig der sinnvollste erste Schritt.

Beratung: Produktion und Beschaffung in Vietnam aufbauen

Eine Produktionsverlagerung nach Vietnam beginnt nicht mit der Firmengründung, sondern mit der richtigen strategischen Entscheidung.

Zukunft2.com begleitet Unternehmer und Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei:

  • Machbarkeits- und Wirtschaftlichkeitsprüfungen,
  • China-plus-one-Strategien,
  • Standortanalysen in Vietnam,
  • Lieferanten- und Produktionspartnersuche,
  • Prüfung lokaler Geschäftspartner,
  • Betriebsbesichtigungen und Verhandlungen,
  • Gesellschaftsgründung und Markteintritt,
  • Auswahl von Industriegebieten und Produktionsflächen,
  • Genehmigungs- und Umsetzungskoordination,
  • Aufbau von Beschaffung und Qualitätskontrolle.

Ziel ist keine theoretische Länderanalyse, sondern eine belastbare Entscheidungsvorlage:

Welches Einstiegsmodell ist geeignet, welche Kosten entstehen, welche Risiken bestehen und wie lässt sich das Vietnam-Projekt praktisch umsetzen?

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Quellen und weiterführende Informationen

Wirtschaft und Industrie in China

Investitionen, Außenhandel und Wirtschaft in Vietnam

Freihandelsabkommen und Ursprungsregeln

Investitionsrecht, Unternehmensgründung und Grundstücke

Steuern, Gesellschaftsformen und Devisentransfers