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International Financial Centre Vietnam

31. August 2026 / Zukunft2

Vietnam International Financial Centre: 10 % Körperschaftsteuer und neue Chancen für internationale Unternehmer

Redaktionsstand: 31. August 2026 – von Dr. Joachim Schmitz

Vietnam erweitert seine wirtschaftspolitische Strategie grundlegend. Das Land will künftig nicht mehr nur Produktionsbetriebe, Lieferketten und ausländische Fabrikinvestitionen anziehen, sondern auch Investmentfonds, Vermögensverwalter, Fintech-Unternehmen, Banken, Handelsfinanzierer und internationale Finanzdienstleister.

Dafür wurde das offiziell als Viet Nam International Financial Center, kurz VIFC, bezeichnete Finanzzentrum mit Standorten in Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang rechtlich errichtet. Beide Standorte gehören zu einem einheitlichen Finanzzentrum, sollen jedoch unterschiedliche wirtschaftliche Schwerpunkte entwickeln.

Besonders attraktiv sind die steuerlichen Rahmenbedingungen. Einkünfte aus qualifizierten neuen Investitionsprojekten können einem Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent unterliegen. Dazu kommen mögliche Steuerferien, persönliche Steuervergünstigungen, internationale Rechnungslegungsstandards, flexiblere Fremdwährungsregeln sowie besondere Regelungen für Arbeitsgenehmigungen, Visa und die Beilegung internationaler Wirtschaftsstreitigkeiten.

Für Unternehmer, die bereits eine Firmengründung in Vietnam prüfen, eröffnet sich damit eine neue Standortoption. Das Finanzzentrum ist allerdings kein allgemeines Niedrigsteuergebiet für beliebige Gesellschaften. Die Vorteile hängen von der Tätigkeit, dem Investitionsprojekt, dem Standort, der Mitgliedschaft und den erforderlichen Lizenzen ab.

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Das Wichtigste zum International Financial Centre Vietnam

Frage Aktueller Stand
Ist das Finanzzentrum gesetzlich beschlossen? Ja. Die gesetzliche Grundlage und die zentralen Durchführungsverordnungen sind in Kraft.
Wo befindet sich das Finanzzentrum? In festgelegten Gebieten von Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang.
Handelt es sich um zwei getrennte Finanzzentren? Nein. Vorgesehen ist ein einheitliches Finanzzentrum mit zwei sich ergänzenden Standorten.
Wie hoch ist die Körperschaftsteuer? Zehn Prozent für prioritäre neue Investitionsprojekte und 15 Prozent für andere qualifizierte neue Projekte.
Gibt es Steuerferien? Ja. Prioritäre Projekte können bis zu vier Jahre vollständig steuerbefreit sein.
Sind ausländische Fachkräfte steuerbegünstigt? Bestimmte qualifizierte Manager, Experten, Wissenschaftler und Fachkräfte können bis Ende 2030 von der persönlichen Einkommensteuer auf ihre IFC-Vergütung befreit sein.
Kann jedes Unternehmen die Vergünstigungen nutzen? Nein. Erforderlich sind unter anderem eine qualifizierte Tätigkeit, ein Projekt innerhalb des IFC-Gebiets, die Aufnahme als Mitglied und gegebenenfalls zusätzliche Finanzlizenzen.
Ist das IFC bereits vollständig operativ? Das rechtliche und organisatorische Grundgerüst steht. Mitgliedschaftsanträge sind möglich. Produkte, Lizenzen, Marktinfrastruktur und erste Transaktionen befinden sich weiterhin im Hochlauf.

Was ist das International Financial Centre Vietnam?

Die vietnamesische Nationalversammlung verabschiedete am 27. Juni 2025 die Resolution 222/2025/QH15. Sie trat am 1. September 2025 in Kraft und bildet die Grundlage für die Einrichtung des neuen internationalen Finanzzentrums.

Im Dezember 2025 folgte ein umfangreiches Paket aus acht Durchführungsverordnungen. Diese regeln unter anderem:

  • die Organisation und räumliche Abgrenzung des Finanzzentrums,
  • Mitgliedschaft und Zulassung,
  • Steuern und Finanzpolitik,
  • internationale Rechnungslegung,
  • Arbeitsgenehmigungen und Sozialversicherung,
  • Einreise und Aufenthaltsrecht,
  • Bank- und Fremdwährungsgeschäfte,
  • Geldwäscheprävention,
  • internationale Schiedsgerichtsbarkeit,
  • Warenbörsen und Derivate,
  • regulatorische Testumgebungen für Fintech-Unternehmen.

Das Modell folgt dem Prinzip „ein Finanzzentrum, zwei Standorte“. Ho-Chi-Minh-Stadt und Da Nang arbeiten innerhalb eines gemeinsamen rechtlichen, organisatorischen und aufsichtsrechtlichen Rahmens. Gleichzeitig erhält jeder Standort ein eigenes wirtschaftliches Profil.

Das passt zu der breiteren Entwicklung von Vietnams Wirtschaft. Das Land möchte in globalen Wertschöpfungsketten nicht mehr nur die industrielle Produktion übernehmen, sondern zunehmend Forschung, Technologie, Unternehmensfunktionen, Finanzierungen und Kapitalallokation im eigenen Land bündeln.

International Financial Centre Vietnam Infografik

International Financial Centre Vietnam Infografik

Zehn Prozent Körperschaftsteuer: So funktioniert die Förderung

Die größte Aufmerksamkeit erhält der Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent. Entscheidend ist jedoch, dass diese Vergünstigung nicht pauschal für jedes Unternehmen gilt, das innerhalb des Finanzzentrums eine Adresse anmeldet.

Das Steuerregime unterscheidet zwischen prioritären und anderen qualifizierten neuen Investitionsprojekten.

Prioritäre Investitionsprojekte

Einkünfte aus neuen Investitionsprojekten innerhalb des IFC-Gebiets können einen Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent für bis zu 30 Jahre erhalten, wenn die jeweilige Tätigkeit zu den prioritären Bereichen gehört.

Zusätzlich sind möglich:

  • bis zu vier Jahre vollständige Befreiung von der Körperschaftsteuer,
  • anschließend bis zu neun Jahre eine Ermäßigung des zu zahlenden Steuerbetrags um 50 Prozent,
  • danach zehn Prozent Körperschaftsteuer während des verbleibenden Förderzeitraums.

Während der Ermäßigungsphase ergibt sich bei isolierter Betrachtung des Körperschaftsteuersatzes rechnerisch eine Belastung von fünf Prozent.

Andere qualifizierte Investitionsprojekte

Neue Investitionsprojekte innerhalb des IFC-Gebiets, die nicht zu den prioritären Tätigkeiten gehören, können einen Körperschaftsteuersatz von 15 Prozent für bis zu 15 Jahre erhalten.

Zusätzlich sind vorgesehen:

  • bis zu zwei Jahre vollständige Steuerbefreiung,
  • anschließend bis zu vier Jahre eine Ermäßigung des zu zahlenden Steuerbetrags um 50 Prozent,
  • danach 15 Prozent Körperschaftsteuer für den verbleibenden Förderzeitraum.

In der Ermäßigungsphase entspricht dies rechnerisch einer Körperschaftsteuerbelastung von 7,5 Prozent.

Projektkategorie Körperschaftsteuersatz Maximale Dauer Vollständige Steuerbefreiung Anschließende Ermäßigung
Prioritäres neues Investitionsprojekt 10 % 30 Jahre bis zu 4 Jahre bis zu 9 Jahre 50 % weniger Steuer
Anderes qualifiziertes neues Investitionsprojekt 15 % 15 Jahre bis zu 2 Jahre bis zu 4 Jahre 50 % weniger Steuer

Der reguläre vietnamesische Körperschaftsteuersatz beträgt grundsätzlich 20 Prozent. Daneben existieren inzwischen weitere Vergünstigungen, insbesondere für kleinere Unternehmen, förderungswürdige Branchen und bestimmte Investitionsprojekte. Eine ausführliche Einordnung finden Unternehmer in unserem Beitrag zur Vietnam Unternehmenssteuer 2026.

Wann beginnt der steuerliche Förderzeitraum?

Der Zeitraum für den ermäßigten Körperschaftsteuersatz wird grundsätzlich ab dem ersten Jahr berechnet, in dem das neue Investitionsprojekt Umsätze erzielt.

Die Steuerbefreiungs- und Ermäßigungsphase beginnt dagegen mit dem ersten Jahr, in dem steuerpflichtiges Einkommen entsteht.

Entsteht während der ersten drei Umsatzjahre kein steuerpflichtiger Gewinn, beginnt der Zeitraum für die Steuerbefreiung oder Steuerermäßigung grundsätzlich im vierten Jahr.

Diese Unterscheidung ist für die Investitionsplanung wichtig. Gerade Fonds, Finanzplattformen und technologieorientierte Unternehmen benötigen häufig mehrere Jahre, bis aus dem Projekt ein steuerpflichtiger Gewinn entsteht.

Vereinfachtes Berechnungsbeispiel

Ein qualifiziertes Unternehmen erwirtschaftet aus seinem neuen IFC-Projekt einen steuerpflichtigen Jahresgewinn von einer Million Euro.

Steuerphase Rechnerische Körperschaftsteuer
Vollständige Steuerbefreiung 0 Euro
50-prozentige Steuerermäßigung auf den Satz von 10 % 50.000 Euro
Regulärer IFC-Satz von 10 % 100.000 Euro
Allgemeiner vietnamesischer Satz von 20 % 200.000 Euro

Das Beispiel ist bewusst vereinfacht. Es berücksichtigt insbesondere keine Quellensteuern, Umsatzsteuer, Lohnabgaben, Verrechnungspreise, Verlustvorträge, Finanzierungskosten, ausländische Hinzurechnungsbesteuerung oder eine mögliche globale Mindeststeuer.

Es zeigt jedoch, welche Größenordnung die IFC-Förderung bei einem tatsächlich qualifizierten Projekt erreichen kann.

Warum nicht automatisch jedes IFC-Unternehmen zehn Prozent Steuern zahlt

Die Aussage „zehn Prozent Körperschaftsteuer im Vietnam IFC“ ist grundsätzlich richtig. Sie darf aber nicht als pauschale Zusage für jede Gesellschaft verstanden werden.

Es muss ein qualifiziertes Investitionsprojekt vorliegen

Die Steuervergünstigungen beziehen sich auf Einkünfte aus der Durchführung neuer Investitionsprojekte. Eine bereits bestehende Gesellschaft erhält nicht allein deshalb den Zehn-Prozent-Satz, weil sie einen Teil ihrer Verwaltung nach Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang verlegt.

Bei der Erweiterung bestehender Projekte gelten zusätzliche Voraussetzungen des vietnamesischen Steuer- und Investitionsrechts.

Das Projekt muss innerhalb des ausgewiesenen IFC-Gebiets liegen

Nicht das gesamte Stadtgebiet von Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang ist Teil des steuerlich begünstigten Finanzzentrums.

Das IFC-Gebiet in Ho-Chi-Minh-Stadt umfasst rund 898 Hektar in festgelegten Bereichen, insbesondere in und um Saigon, Ben Thanh und Thu Thiem. Für Da Nang sind rund 300 Hektar vorgesehen.

Vor einer Ansiedlung muss deshalb geprüft werden, ob sich der geplante Hauptsitz und die maßgebliche Geschäftstätigkeit tatsächlich innerhalb der festgelegten Grenzen befinden.

Das Unternehmen muss als IFC-Mitglied aufgenommen werden

Unternehmen müssen unter anderem ihre finanzielle Leistungsfähigkeit, Reputation und die Übereinstimmung ihres Geschäftsmodells mit den Entwicklungszielen des Finanzzentrums nachweisen.

Die Aufnahme als Mitglied ersetzt jedoch nicht automatisch eine zusätzliche Bank-, Wertpapier-, Versicherungs-, Zahlungs-, Fonds- oder Börsenlizenz.

Vietnam beschleunigt gegenwärtig zahlreiche Verwaltungs- und Genehmigungsprozesse. Welche Auswirkungen die breitere Vietnam-Deregulierung 2026 auf Investoren hat, sollte dennoch für jedes Vorhaben gesondert geprüft werden.

Begünstigte Einkünfte müssen getrennt erfasst werden

Erzielt ein Unternehmen sowohl begünstigte IFC-Einkünfte als auch andere Einkünfte, sind diese grundsätzlich getrennt zu erfassen.

Ist eine unmittelbare Trennung nicht möglich, kann eine rechnerische Zuordnung anhand der Umsätze oder abzugsfähigen Kosten erforderlich werden.

Eine Gesellschaft kann daher nicht allein aufgrund ihrer IFC-Mitgliedschaft sämtliche weltweiten Gewinne mit zehn Prozent versteuern.

Die wirtschaftliche Substanz bleibt entscheidend

Das Finanzzentrum ist nicht als Briefkastenstandort konzipiert. Eine belastbare Struktur benötigt insbesondere:

  • eine tatsächliche Unternehmensleitung,
  • geeignete Geschäftsräume,
  • qualifizierte Mitarbeiter,
  • nachvollziehbare Entscheidungsprozesse,
  • lokale Buchhaltung und Dokumentation,
  • eine angemessene Kapitalausstattung,
  • die Einhaltung der jeweiligen Finanz- und Aufsichtsregeln.

Je stärker die operative und strategische Tätigkeit tatsächlich in Vietnam ausgeübt wird, desto besser lässt sich die steuerliche und regulatorische Einordnung begründen.

Welche Tätigkeiten besonders gefördert werden

Vietnam möchte nicht lediglich ausländische Banken anlocken. Das Ziel ist der Aufbau eines vollständigen Finanz- und Dienstleistungsökosystems.

Investmentfonds und Asset Management

Zu den besonders relevanten Tätigkeiten gehören:

  • Investmentfonds,
  • Fondsverwaltung,
  • Vermögensverwaltung,
  • Private Equity,
  • Venture Capital,
  • Wertpapierdienstleistungen,
  • Kapitalmarktinfrastruktur,
  • Finanzierung innovativer Unternehmen,
  • Ausgabe und Verwaltung von Anleihen.

Interessant kann das Modell für Fondsmanager sein, die Kapital für Investitionen in Vietnam oder Südostasien bündeln und gleichzeitig eine regulierte operative Plattform im Zielmarkt aufbauen möchten.

Fintech und digitale Finanzinfrastruktur

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf:

  • digitalen Zahlungssystemen,
  • grenzüberschreitenden Zahlungen,
  • Blockchain-Anwendungen,
  • Tokenisierung realer Vermögenswerte,
  • digitalen Vermögenswerten,
  • RegTech,
  • künstlicher Intelligenz im Finanzbereich,
  • Crowdfunding,
  • neuen Finanzierungsplattformen,
  • automatisierten Compliance-Systemen.

Innovative Geschäftsmodelle können innerhalb kontrollierter regulatorischer Testumgebungen erprobt werden. Eine solche Sandbox ist jedoch keine regulierungsfreie Zone. Umfang, Teilnehmerkreis, Testdauer und Aufsicht werden durch die zuständigen IFC-Behörden bestimmt.

Green Finance und Klimafinanzierung

Vietnam benötigt erhebliche Investitionen in Energie, Infrastruktur, Klimaanpassung und wirtschaftliche Modernisierung. Das IFC soll deshalb auch internationale Kapitalströme für nachhaltige Projekte mobilisieren.

Zu den möglichen Tätigkeitsfeldern gehören:

  • Green Bonds,
  • nachhaltige Investmentfonds,
  • ESG-bezogene Finanzprodukte,
  • Klimafinanzierung,
  • internationale CO₂-Zertifikate,
  • Finanzierung der Energiewende,
  • nachhaltige Infrastruktur,
  • unabhängige Nachhaltigkeitsbewertungen.

Internationale CO₂-Zertifikate gehören zu den ersten Produktgruppen, die innerhalb des Finanzzentrums konkret entwickelt werden sollen.

Internationale Handels- und Lieferkettenfinanzierung

Vietnam ist eine stark exportorientierte Volkswirtschaft mit bedeutenden Produktions-, Hafen- und Logistikstandorten. Das IFC soll die zugehörigen Finanzdienstleistungen stärker im Land bündeln.

Mögliche Geschäftsfelder sind:

  • Handelsfinanzierung,
  • Akkreditive,
  • grenzüberschreitende Zahlungsabwicklung,
  • Supply-Chain-Finance,
  • Warenbörsen,
  • Rohstoffderivate,
  • maritime Finanzierung,
  • Logistikfinanzierung,
  • Luftfahrtfinanzierung,
  • Leasingmodelle.

Der Aufbau des IFC ergänzt damit die Entwicklung bei den ausländischen Direktinvestitionen in Vietnam. Die strategische Frage lautet zunehmend nicht mehr nur, wo eine Fabrik errichtet werden kann, sondern auch, wo Finanzierung, Kapitalverwaltung, Technologie und regionale Unternehmensfunktionen angesiedelt werden.

Professionelle Dienstleistungen

Auch unterstützende Dienstleistungen können innerhalb des Finanzzentrums eine wichtige Rolle spielen:

  • Rechtsberatung,
  • Steuerberatung,
  • Wirtschaftsprüfung,
  • internationale Rechnungslegung,
  • Unternehmensberatung,
  • Ratingdienstleistungen,
  • Finanzdaten,
  • Cybersecurity,
  • Compliance-Systeme,
  • Geldwäscheprävention,
  • Technologie für Banken, Fonds und Börsen.

Nicht jede allgemeine Beratungs- oder IT-Gesellschaft wird dadurch automatisch zu einem prioritären IFC-Unternehmen. Die konkrete Tätigkeit muss unmittelbar zum Finanzökosystem passen und gegebenenfalls von den zuständigen Behörden anerkannt werden.

Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang: Welcher Standort passt?

Die beiden Standorte sollen sich nicht gegenseitig kopieren, sondern unterschiedliche Stärken entwickeln.

Ho-Chi-Minh-Stadt Da Nang
umfassendes internationales Finanzzentrum innovations- und technologieorientierter Finanzstandort
Kapitalmärkte und große Transaktionen Fintech und digitale Finanzmodelle
Fonds- und Vermögensverwaltung Tokenisierung realer Vermögenswerte
internationale Banken und institutionelle Investoren digitale Zahlungssysteme
Green Finance und Digital Finance regulatorische Sandboxes
Warenmärkte und Derivate spezialisierte Handelsplattformen
maritime und Luftfahrtfinanzierung Supply-Chain- und Handelsfinanzierung
grenzüberschreitende Kapitalbeschaffung Startup- und Innovationsfinanzierung

Ho-Chi-Minh-Stadt als Kapitalmarkt- und Transaktionszentrum

Ho-Chi-Minh-Stadt soll den umfassenderen Teil des Finanzzentrums bilden. Der Schwerpunkt liegt auf:

  • Kapitalbeschaffung,
  • internationalen Investitionen,
  • Zahlungsverkehr,
  • Ausgabe und Handel von Finanzprodukten,
  • Fondsverwaltung,
  • Vermögensverwaltung,
  • Waren- und Derivatemärkten,
  • spezialisierten Finanzierungen,
  • internationalen Banken und Finanzinstitutionen.

Für klassische Fonds-, Asset-Management-, Handelsfinanzierungs- und institutionelle Finanzmodelle dürfte Ho-Chi-Minh-Stadt daher häufig der naheliegendere Standort sein.

Da Nang als Fintech- und Innovationsstandort

Da Nang soll sich stärker als kontrolliertes Testfeld für neue Finanzmodelle positionieren.

Vorgesehen sind insbesondere:

  • digitale Vermögenswerte,
  • digitale Zahlungen,
  • Tokenisierung,
  • spezialisierte Börsen und Plattformen,
  • Startup-Finanzierung,
  • Handelsfinanzierung,
  • Supply-Chain-Finance,
  • nachhaltige Finanzprodukte,
  • Technologie- und Innovationsdienstleistungen.

Für technologiegetriebene Fintechs, Zahlungsanbieter und Entwickler digitaler Finanzinfrastruktur kann Da Nang daher strategische Vorteile bieten.

Die Standortentscheidung sollte trotzdem nicht allein anhand dieser grundsätzlichen Arbeitsteilung erfolgen. Entscheidend sind die konkrete Produktzulassung, verfügbare Fachkräfte, Kunden, Kooperationspartner, Bankbeziehungen und die räumliche Abgrenzung des jeweiligen IFC-Gebiets.

Persönliche Steuerbefreiung für qualifizierte Fachkräfte

Neben der Körperschaftsteuer enthält das IFC-Regime eine wichtige persönliche Steuervergünstigung.

Qualifizierte Manager, Experten, Wissenschaftler und hochqualifizierte Fachkräfte können bis zum 31. Dezember 2030 von der vietnamesischen persönlichen Einkommensteuer auf Gehälter und Vergütungen aus ihrer Tätigkeit im Finanzzentrum befreit werden.

Die Befreiung gilt nicht pauschal für sämtliche Mitarbeiter. Je nach Fall müssen berufliche Qualifikation, Erfahrung, Funktion und Tätigkeit nachgewiesen werden.

In Betracht kommen insbesondere Personen mit:

  • einschlägigem Hochschulabschluss,
  • anerkannter professioneller Qualifikation,
  • mehrjähriger Berufserfahrung,
  • Führungserfahrung bei Finanzinstituten, Fonds oder internationalen Unternehmen,
  • besonderer wissenschaftlicher oder technologischer Expertise.

Da die Steuerbefreiung nach derzeitiger Rechtslage Ende 2030 ausläuft, verringert sich ihre wirtschaftliche Bedeutung bei einem späteren Markteintritt. Unternehmen sollten deshalb unterscheiden zwischen den langfristigen Körperschaftsteuervergünstigungen und der zeitlich wesentlich kürzeren persönlichen Steuerbefreiung.

Steuerbefreiung bei der Veräußerung bestimmter Beteiligungen

Bis Ende 2030 können natürliche Personen außerdem von der persönlichen Einkommensteuer auf bestimmte Einkünfte aus der Übertragung von:

  • Anteilen,
  • Kapitaleinlagen,
  • Rechten zur Kapitalbeteiligung

an IFC-Mitgliedern befreit werden.

Für Gründer, Führungskräfte und private Investoren kann dies bei einem späteren Unternehmensverkauf erheblich sein.

Die Regelung gilt jedoch nicht uneingeschränkt für jede Form von Wertpapier- oder Beteiligungstransaktion. Außerdem bleibt zu prüfen, ob der Verkäufer in einem anderen Staat steuerlich ansässig ist und dort eine zusätzliche Besteuerung ausgelöst wird.

Eine vietnamesische Steuerbefreiung bedeutet nicht automatisch, dass auch Deutschland, Österreich, die Schweiz oder ein anderer Ansässigkeitsstaat auf sein Besteuerungsrecht verzichtet.

Arbeitsgenehmigungen und Aufenthaltsrecht

Das IFC soll den Einsatz internationaler Fachkräfte erleichtern.

Für vollständige Anträge auf bestimmte Arbeitsgenehmigungen oder Bestätigungen über eine Befreiung von der Arbeitserlaubnis sieht das Regelwerk grundsätzlich kurze Bearbeitungszeiten von drei Arbeitstagen vor.

Arbeitserlaubnisse und bestimmte Befreiungsbestätigungen können eine Laufzeit von bis zu zehn Jahren erreichen.

Auch das Aufenthaltsrecht enthält besondere Regelungen. Wichtige Investoren, Manager, Experten und hochqualifizierte Fachkräfte können bei Erfüllung der Voraussetzungen Visa oder vorläufige Aufenthaltskarten mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren erhalten.

Ehepartner und minderjährige Kinder können unter den vorgesehenen Voraussetzungen begleitende Aufenthaltstitel beantragen.

Diese Vorteile entstehen nicht automatisch durch den Erwerb eines Gesellschaftsanteils. Erforderlich sind unter anderem:

  • eine qualifizierte Funktion,
  • eine Tätigkeit für eine Organisation mit Büro im Finanzzentrum,
  • die Einhaltung der persönlichen Auswahlkriterien,
  • ein Antrag oder eine Unterstützung durch die zuständige IFC-Behörde.

Internationale Rechnungslegung

IFC-Mitglieder können unter den vorgesehenen Voraussetzungen internationale Rechnungslegungsstandards oder anerkannte ausländische Rechnungslegungsgrundsätze anwenden.

Dazu gehören insbesondere:

  • IAS und IFRS,
  • anerkannte Rechnungslegungsstandards bestimmter internationaler Finanzplätze,
  • ausgewählte nationale GAAP-Systeme.

Wer seine Jahres- und Konzernabschlüsse vollständig und konsistent nach einem zugelassenen internationalen Standard erstellt, muss grundsätzlich keine zusätzlichen Abschlüsse nach vietnamesischen Rechnungslegungsstandards anfertigen.

Die international erstellten Abschlüsse gelten als gesetzliche Berichte des Mitglieds und müssen bei den zuständigen vietnamesischen Stellen eingereicht werden.

Für internationale Banken, Fonds, Versicherungen und Konzerngesellschaften kann dies die Konsolidierung deutlich vereinfachen. Die Regelung beseitigt jedoch nicht die vietnamesischen Steuer-, Offenlegungs-, Prüfungs- und Dokumentationspflichten.

Flexiblere Fremdwährungsregeln

Vietnam verfügt außerhalb des IFC über ein vergleichsweise stark reguliertes Devisen- und Kapitalverkehrssystem. Für IFC-Mitglieder wurden deshalb besondere Fremdwährungsregeln geschaffen.

Vorgesehen sind unter anderem Fremdwährungskonten für:

  • ausländische Investitionen in das IFC,
  • Kreditaufnahmen im Ausland,
  • bestimmte Kreditvergaben ins Ausland,
  • Investitionen aus dem IFC in andere Staaten,
  • Investitionen aus dem IFC in andere Teile Vietnams,
  • Zahlungen zwischen IFC-Mitgliedern,
  • Leistungen an ausländische Kunden,
  • Übertragung von Kapital, Gewinnen und rechtmäßigen Erträgen.

IFC-Mitglieder können bestimmte Leistungen gegenüber anderen Mitgliedern und ausländischen Vertragspartnern in Fremdwährung auszeichnen, abrechnen und bezahlen.

Das bedeutet jedoch keine vollständige Freigabe sämtlicher Kapitalbewegungen. Kontenführung, Erklärungspflichten, Geldwäscheprävention, Transaktionszweck und Berichtspflichten bleiben relevant.

Geschäfte mit Unternehmen oder Privatpersonen außerhalb des Finanzzentrums innerhalb Vietnams können weiterhin den allgemeinen vietnamesischen Devisenregeln unterliegen.

Internationale Schiedsgerichtsbarkeit und ausländisches Recht

Ein internationaler Finanzplatz benötigt verlässliche Verfahren zur Beilegung komplexer Wirtschaftsstreitigkeiten.

Vietnam hat deshalb die gesetzliche Grundlage für ein spezielles internationales Schiedszentrum geschaffen. Parteien können vereinbaren, geeignete Investitions- und Wirtschaftsstreitigkeiten dort zu behandeln.

Unter den gesetzlichen Voraussetzungen kann außerdem ausländisches Recht für bestimmte internationale Transaktionen gewählt werden.

Das kann die Attraktivität für ausländische Investoren erhöhen, weil internationale Vertragsmodelle nicht ausschließlich nach allgemeinen nationalen Verfahren behandelt werden müssen.

Das spezialisierte Gericht und das internationale Schiedszentrum befanden sich Ende August 2026 allerdings noch im operativen Aufbau. Für die ersten Projekte muss daher genau geprüft werden, welche Institutionen und Verfahrensordnungen zum jeweiligen Vertragszeitpunkt tatsächlich einsatzbereit sind.

International Financial Centre Vietnam

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Welche Unternehmen das Vietnam-IFC prüfen sollten

Das Modell ist insbesondere für Unternehmen interessant, deren Geschäftsmodell tatsächlich mit Vietnam, Südostasien oder internationalen Kapitalströmen verbunden ist.

Dazu gehören:

  • Fonds- und Vermögensverwaltungsgesellschaften,
  • Private-Equity- und Venture-Capital-Strukturen,
  • Fintech-Unternehmen,
  • Zahlungsdienstleister,
  • Betreiber digitaler Finanzplattformen,
  • Anbieter von Tokenisierungs- und Blockchain-Infrastruktur,
  • Green-Finance- und Klimafinanzierungsunternehmen,
  • Handels- und Lieferkettenfinanzierer,
  • Rohstoff- und Derivateplattformen,
  • maritime Finanzierungsgesellschaften,
  • Luftfahrt- und Leasinggesellschaften,
  • Rating- und Finanzdatenanbieter,
  • Compliance- und Cybersecurity-Unternehmen,
  • internationale Beratungs- und Prüfungsgesellschaften mit Finanzfokus,
  • Banken, Versicherungen und Wertpapierunternehmen mit ASEAN-Strategie.

Interessant kann das IFC auch für Unternehmen werden, die zunächst planen, ihre Produktion nach Vietnam zu verlagern. Bei größeren Investitionen stellt sich zunehmend die Frage, ob zusätzlich Finanzierungs-, Treasury-, Fonds- oder regionale Managementfunktionen im Land angesiedelt werden können.

Der größte strategische Nutzen entsteht voraussichtlich, wenn drei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind:

  1. Das Unternehmen benötigt einen tatsächlichen operativen Standort in Vietnam.
  2. Das Geschäftsmodell passt zu den prioritären Finanz- oder Unterstützungsleistungen.
  3. Das Unternehmen kann die regulatorischen, personellen, finanziellen und organisatorischen Substanzanforderungen erfüllen.

Für wen das Finanzzentrum wahrscheinlich nicht geeignet ist

Weniger geeignet ist das Modell für Unternehmer, die lediglich eine möglichst niedrig besteuerte Auslandsgesellschaft suchen, ohne Management, Personal oder operative Tätigkeit nach Vietnam zu verlagern.

Besonders kritisch zu prüfen sind:

  • reine Briefkasten- oder Postfachgesellschaften,
  • passive Holdinggesellschaften ohne operative Finanzfunktion,
  • allgemeine Handelsunternehmen ohne IFC-Bezug,
  • Beratungsunternehmen ohne unmittelbare Verbindung zum Finanzsektor,
  • Gesellschaften, deren Geschäftsleitung vollständig in Deutschland verbleibt,
  • unlizenzierte Vermögensverwaltung,
  • unlizenzierte Anlagevermittlung,
  • digitale Vermögensmodelle, die eine regulierungsfreie Umgebung erwarten,
  • private Vermögensstrukturen ohne tatsächlichen Geschäftsbetrieb,
  • Konstruktionen, die ausschließlich der Verlagerung bereits bestehender Gewinne dienen.

Die IFC-Mitgliedschaft ersetzt weder die jeweils erforderliche Finanzlizenz noch eine belastbare grenzüberschreitende Steuerstruktur.

Vietnam wird dadurch nicht automatisch zum Steuerparadies

Das International Financial Centre Vietnam ist kein klassisches Offshore-Gebiet, das Anonymität und fehlende wirtschaftliche Substanz anbietet.

Es handelt sich vielmehr um ein reguliertes Sonderregime innerhalb Vietnams. Die niedrige Besteuerung soll mit einer tatsächlichen Ansiedlung internationaler Finanz-, Technologie- und Unterstützungsleistungen verbunden werden.

Mitglieder müssen unter anderem:

  • ihre Tätigkeit offenlegen,
  • finanzielle Leistungsfähigkeit und Reputation nachweisen,
  • ihren Standort innerhalb des IFC unterhalten,
  • gegebenenfalls zusätzliche Lizenzen beantragen,
  • Jahresabschlüsse erstellen,
  • Steuer- und Berichtspflichten erfüllen,
  • Geldwäsche- und Sanktionsvorschriften beachten,
  • IT- und Datensicherheitsstandards einhalten,
  • Mitgliedschaftsvoraussetzungen dauerhaft erfüllen.

Für seriöse Unternehmen kann gerade diese Verbindung aus Förderung und Regulierung attraktiv sein. Die Gesellschaft erhält nicht deshalb eine niedrigere Besteuerung, weil ihre wirtschaftliche Tätigkeit unsichtbar bleibt, sondern weil sie nachweisbar zum Aufbau des vietnamesischen Finanzplatzes beiträgt.

Globale Mindeststeuer kann den Vorteil begrenzen

Bei großen multinationalen Unternehmensgruppen muss zusätzlich die globale Mindestbesteuerung nach den OECD-Pillar-Two-Regeln berücksichtigt werden.

Betroffen sind grundsätzlich Unternehmensgruppen mit einem konsolidierten Jahresumsatz von mindestens 750 Millionen Euro. Für diese Gruppen soll eine effektive Mindeststeuerbelastung von 15 Prozent erreicht werden.

Das bedeutet: Selbst wenn ein IFC-Projekt vor Ort zeitweise nur mit null, fünf oder zehn Prozent besteuert wird, kann in einer betroffenen Unternehmensgruppe eine ergänzende Mindeststeuer entstehen.

Die lokale Vergünstigung bleibt zwar bestehen, führt bei Großkonzernen aber nicht zwingend zu einer endgültigen Gesamtsteuerbelastung unter 15 Prozent.

Für mittelständische Unternehmensgruppen unterhalb der Umsatzgrenze gelten diese Regeln grundsätzlich nicht allein aufgrund ihrer IFC-Mitgliedschaft. Andere internationale Steuerregeln bleiben jedoch weiterhin zu prüfen.

Vietnam steht derzeit auf der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete

Seit dem 17. Februar 2026 steht Vietnam auf der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete.

Hintergrund sind nach Angaben des Rates der Europäischen Union Defizite beim steuerlichen Informationsaustausch auf Ersuchen. Die Einstufung richtet sich nicht speziell gegen das neue Finanzzentrum und bedeutet auch nicht, dass Investitionen in Vietnam unzulässig wären.

Für europäische Unternehmensstrukturen kann sie dennoch zusätzliche Folgen haben. Je nach beteiligtem EU-Mitgliedstaat sind insbesondere denkbar:

  • verstärkte Dokumentations- und Nachweispflichten,
  • intensivere steuerliche Prüfungen,
  • zusätzliche Anforderungen an die wirtschaftliche Substanz,
  • Einschränkungen bei bestimmten Steuerbefreiungen,
  • verschärfte Hinzurechnungsregeln,
  • besondere Quellensteuer- oder Betriebsausgabenregelungen,
  • zusätzliche Prüfungen durch Banken und Finanzdienstleister.

Die nächste reguläre Überprüfung der EU-Liste ist für Oktober 2026 vorgesehen. Dieser Punkt sollte deshalb unmittelbar vor jeder Strukturierung erneut kontrolliert werden.

Was deutsche Unternehmer besonders beachten müssen

Eine vietnamesische Gesellschaft mit einem Körperschaftsteuersatz von zehn Prozent beseitigt nicht automatisch die deutsche Besteuerung.

Ort der Geschäftsleitung

Nach deutschem Steuerrecht liegt die Geschäftsleitung dort, wo sich der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung befindet.

Werden die wesentlichen Entscheidungen weiterhin dauerhaft aus Deutschland getroffen, kann eine vietnamesische Gesellschaft trotz ausländischem Sitz in Deutschland steuerlich ansässig oder zumindest erheblichen deutschen Steuerfolgen ausgesetzt sein.

Entscheidend sind nicht nur formale Geschäftsführerbeschlüsse, sondern die tatsächlichen Verhältnisse:

  • Wo werden strategische Entscheidungen getroffen?
  • Wer verfügt über die Bankkonten?
  • Wo werden Verträge ausgehandelt und unterzeichnet?
  • Wo befinden sich Geschäftsunterlagen und leitende Mitarbeiter?
  • Von wo aus wird das Tagesgeschäft gesteuert?

Hinzurechnungsbesteuerung

Bei niedrig besteuerten ausländischen Gesellschaften kann die deutsche Hinzurechnungsbesteuerung relevant werden.

Besonders kritisch sind bestimmte passive Einkünfte, wenn die Gesellschaft von deutschen Steuerpflichtigen beherrscht wird. Die Einkünfte können unter bestimmten Voraussetzungen bereits in Deutschland besteuert werden, obwohl sie noch nicht ausgeschüttet wurden.

Ob ein Fonds-, Finanzierungs-, Lizenz-, Holding- oder Dienstleistungsmodell als aktiv oder passiv eingeordnet wird, muss anhand der konkreten Struktur geprüft werden.

Verrechnungspreise und Betriebsstätten

Leistungen zwischen einer deutschen Gesellschaft und einem vietnamesischen IFC-Unternehmen müssen fremdüblich abgerechnet und dokumentiert werden.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Managementleistungen,
  • Finanzierungen,
  • Garantien,
  • Lizenzen,
  • Softwareüberlassung,
  • Personalgestellung,
  • Beratungsleistungen,
  • gemeinsame Verwaltungskosten.

Außerdem ist zu prüfen, ob durch Mitarbeiter, Büros, Vertreter oder Entscheidungsstrukturen eine Betriebsstätte in Deutschland oder Vietnam entsteht.

Wegzug des Unternehmers

Soll nicht nur die Gesellschaft, sondern auch der Unternehmer seinen Wohnsitz verlagern, kann die deutsche Wegzugsbesteuerung eine zentrale Rolle spielen.

Die Besteuerung stiller Reserven in Unternehmensbeteiligungen kann bereits durch den Verlust des deutschen Besteuerungsrechts ausgelöst werden. Eine Wohnsitzverlagerung sollte deshalb nicht erst nach der Gründung der vietnamesischen Struktur steuerlich geplant werden.

Wer grundsätzlich überlegt, eine Firma im Ausland zu gründen, sollte Gesellschaft, Geschäftsleitung, persönliche Ansässigkeit, Beteiligungsstruktur und Exit-Strategie immer gemeinsam betrachten.

Ist das Vietnam-IFC eine Alternative zu Singapur oder Dubai?

Noch ist Vietnam kein vollständiger Ersatz für etablierte internationale Finanzplätze wie Singapur, Hongkong, Dubai oder Abu Dhabi.

Diese Standorte verfügen bereits über:

  • langjährig etablierte Aufsichtsbehörden,
  • große internationale Banken,
  • tiefe Kapitalmärkte,
  • erfahrene Gerichte und Schiedsgerichte,
  • spezialisierte Berater,
  • zahlreiche internationale Fonds und Investoren,
  • belastbare Verwaltungspraxis.

Vietnam befindet sich mit seinem IFC dagegen noch in der Aufbauphase.

Seine besondere Stärke liegt an anderer Stelle: Das Finanzzentrum ist unmittelbar mit einer großen, exportorientierten und wachsenden Realwirtschaft verbunden.

Unternehmen können Finanzdienstleistungen mit konkreten Projekten in folgenden Bereichen verbinden:

  • industrielle Produktion,
  • Logistik,
  • Energie,
  • Infrastruktur,
  • Technologie,
  • Immobilienentwicklung,
  • Export,
  • Rohstoffe,
  • Lieferketten,
  • Digitalisierung.

Für Unternehmen, die Kapital gezielt für vietnamesische oder südostasiatische Projekte einsetzen, kann diese Verbindung attraktiver sein als ein weiter entfernter, bereits hoch entwickelter Finanzplatz.

Das Vietnam IFC sollte deshalb zunächst eher als strategische Ergänzung und Möglichkeit für einen frühen Markteintritt verstanden werden – nicht als kurzfristig gleichwertiger Ersatz für Singapur oder Dubai.

Aktueller Stand Ende August 2026

Im August 2026 hat das Finanzzentrum mehrere wichtige operative Schritte erreicht.

Am 17. August wurde das gemeinsame digitale System zur Registrierung und Anerkennung von Mitgliedern gestartet. Damit können Unternehmen den Aufnahmeprozess zentral und digital einleiten.

Kurz darauf erklärte der Exekutivrat, dass sich der Schwerpunkt nun vom Aufbau des institutionellen Rahmens auf konkrete Mitglieder, Produkte und Transaktionen verlagern soll.

Als erste Produktgruppen wurden insbesondere genannt:

  1. Investmentfonds und Asset Management
  2. tokenisierte reale Vermögenswerte
  3. internationale CO₂-Zertifikate
  4. Waren- und Rohstoffderivate
  5. Fintech-Produkte
  6. innerhalb des IFC ausgegebene Anleihen

Gemeinsame IT-, Daten-, Registrierungs- und Aufsichtssysteme befinden sich weiterhin im Aufbau. Auch das spezialisierte Gericht und das internationale Schiedszentrum sollen schrittweise operativ werden.

Das Projekt befindet sich damit nicht mehr nur in der Gesetzgebungsphase. Dennoch muss sich die tatsächliche Leistungsfähigkeit erst anhand folgender Kennzahlen zeigen:

  • Zahl und Qualität der aufgenommenen Mitglieder,
  • erteilte Finanzlizenzen,
  • verwaltetes Fondsvermögen,
  • Kapitalzuflüsse,
  • Anleiheemissionen,
  • Handelsvolumen,
  • internationale Bankverbindungen,
  • Umfang der ersten grenzüberschreitenden Transaktionen.

Das IFC ist Teil der umfassenderen Vietnam Reform Roadmap 2026. Vietnam versucht gleichzeitig, Investitionsverfahren zu beschleunigen, staatliche Strukturen umzubauen, private Unternehmen zu stärken und mehr höherwertige internationale Funktionen ins Land zu holen.

So sollte eine IFC-Standortprüfung ablaufen

Vor einer Gründung, Beteiligung oder Verlagerung sollten mindestens zehn Punkte geprüft werden.

1. Geschäftsmodell

Passt die geplante Tätigkeit zu den zugelassenen oder prioritären Finanz- und Unterstützungsleistungen?

2. Standort

Liegt der geplante Unternehmenssitz tatsächlich innerhalb des ausgewiesenen IFC-Gebiets?

3. Standortwahl

Ist Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang für das konkrete Produkt, die Kunden und die benötigten Fachkräfte besser geeignet?

4. Mitgliedschaft

Kann das Unternehmen finanzielle Leistungsfähigkeit, Reputation, Managementerfahrung und ein belastbares Geschäftskonzept nachweisen?

5. Lizenzierung

Welche Bank-, Fonds-, Wertpapier-, Versicherungs-, Zahlungs-, Börsen- oder Technologielizenz wird zusätzlich benötigt?

6. Steuerqualifikation

Welche Einkünfte stammen tatsächlich aus dem neuen IFC-Investitionsprojekt und sind damit begünstigt?

7. Wirtschaftliche Substanz

Welche Geschäftsleitung, Mitarbeiter, Büroräume, Systeme und Entscheidungsprozesse müssen in Vietnam aufgebaut werden?

8. Kapital und Banking

Welche Kapitalausstattung, Bankkonten, Fremdwährungskonten und Finanzierungswege werden benötigt?

9. Heimatstaatliche Besteuerung

Greifen Hinzurechnungsbesteuerung, globale Mindeststeuer, Wegzugsbesteuerung, Betriebsstättenregeln oder andere Vorschriften im Heimatstaat?

10. Exit-Strategie

Wie sollen Gewinne ausgeschüttet, Beteiligungen verkauft, Investoren aufgenommen oder das Unternehmen später umstrukturiert werden?

Erst nach dieser Prüfung lässt sich beurteilen, ob der nominelle Zehn-Prozent-Satz für das konkrete Unternehmen tatsächlich erreichbar und international wirtschaftlich sinnvoll ist.

Häufig gestellte Fragen zum International Financial Centre Vietnam

Zahlt jedes Unternehmen im Vietnam IFC nur zehn Prozent Körperschaftsteuer?

Nein. Zehn Prozent gelten für Einkünfte aus qualifizierten neuen Investitionsprojekten in prioritären Tätigkeitsfeldern. Andere qualifizierte Projekte können einem Satz von 15 Prozent unterliegen.

Sind zeitweise null Prozent Körperschaftsteuer möglich?

Ja. Während der anfänglichen Steuerbefreiung kann die Körperschaftsteuer für begünstigte Projekte vorübergehend null betragen. Dafür müssen sämtliche gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sein.

Sind während der Ermäßigungsphase fünf Prozent möglich?

Bei einem prioritären Projekt mit einem Steuersatz von zehn Prozent und einer Ermäßigung des zahlbaren Steuerbetrags um 50 Prozent ergibt sich rechnerisch eine Belastung von fünf Prozent.

Gilt die Vergünstigung für sämtliche Gewinne des Unternehmens?

Nein. Begünstigte IFC-Einkünfte müssen von anderen Einkünften getrennt werden. Die Mitgliedschaft allein führt nicht dazu, dass alle in- und ausländischen Unternehmensgewinne dem Sondersteuersatz unterliegen.

Ist das Finanzzentrum bereits vollständig in Betrieb?

Das rechtliche und organisatorische Grundgerüst ist vorhanden, und das digitale Mitgliedschaftssystem wurde gestartet. Viele Produkte, Lizenzen, Institutionen und Transaktionsplattformen befinden sich jedoch noch im Aufbau.

Sind Gehälter ausländischer Mitarbeiter steuerfrei?

Nur qualifizierte Manager, Experten, Wissenschaftler und hochqualifizierte Fachkräfte können unter den gesetzlichen Voraussetzungen bis Ende 2030 von der persönlichen Einkommensteuer auf ihre IFC-Vergütung befreit werden.

Kann eine Briefkastenfirma Mitglied werden?

Das Modell ist nicht für reine Briefkastenstrukturen ausgelegt. Mitglieder müssen die Anforderungen an Tätigkeit, Standort, finanzielle Leistungsfähigkeit, Reputation und gegebenenfalls Lizenzierung erfüllen.

Welcher Standort ist für Fintech-Unternehmen besser?

Da Nang ist besonders auf Fintech, digitale Zahlungen, Tokenisierung und regulatorische Testumgebungen ausgerichtet. Ho-Chi-Minh-Stadt bietet dafür eine stärkere Verbindung zu Banken, Fonds, Kapitalmärkten und großen institutionellen Transaktionen.

Ist Vietnam jetzt ein klassischer Offshore-Finanzplatz?

Nein. Das IFC ist ein reguliertes Sonderregime innerhalb Vietnams. Es verbindet steuerliche Förderung mit Mitgliedschafts-, Substanz-, Aufsichts-, Lizenz- und Berichtspflichten.

Können deutsche Unternehmer die zehn Prozent einfach nutzen?

Nur bei einer tatsächlich belastbaren Struktur. Insbesondere Geschäftsleitung, Hinzurechnungsbesteuerung, Verrechnungspreise, Betriebsstätten, persönliche Ansässigkeit und eine mögliche Wegzugsbesteuerung müssen berücksichtigt werden.

Vietnam erweitert seine Standortstrategie um internationales Kapital

Das International Financial Centre Vietnam gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Neuerungen des Landes.

Vietnam konkurriert künftig nicht mehr ausschließlich um Produktionsbetriebe, Lieferketten und ausländische Fabrikinvestitionen. Das Land möchte auch Fonds, Vermögensverwalter, Fintechs, internationale Banken, Green-Finance-Anbieter und professionelle Finanzdienstleister ansiedeln.

Die Kombination aus:

  • zehn Prozent Körperschaftsteuer,
  • möglichen Steuerferien,
  • persönlichen Steuervergünstigungen,
  • internationaler Rechnungslegung,
  • Fremdwährungskonten,
  • langfristigen Arbeits- und Aufenthaltsmöglichkeiten,
  • regulatorischen Sandboxes,
  • internationaler Streitbeilegung

ist im regionalen Standortwettbewerb beachtlich.

Die entscheidende Einschränkung lautet: Das Finanzzentrum ist kein einfacher Steuersparbaukasten. Es richtet sich an Unternehmen, die tatsächlich Finanz-, Technologie- oder Unterstützungsleistungen in oder über Vietnam erbringen, lokale Substanz schaffen und sich in das neue Mitgliedschafts- und Aufsichtssystem integrieren.

Für geeignete Geschäftsmodelle kann ein früher Markteintritt dennoch einen erheblichen strategischen Vorteil bieten. Wer wartet, bis sämtliche Institutionen, Lizenzen und Marktstrukturen vollständig etabliert sind, erhält möglicherweise mehr Rechtssicherheit – trifft dann aber wahrscheinlich auch auf höhere Markteintrittskosten und stärkeren Wettbewerb.

Vietnam-IFC und Firmengründung strategisch prüfen

Das International Financial Centre Vietnam eröffnet neue Möglichkeiten, verlangt aber eine abgestimmte Planung von Geschäftsmodell, Gesellschaftsstruktur, Lizenzierung, Steuern, Banking, Aufenthaltsrecht und wirtschaftlicher Substanz.

Mit Dr. Joachim Schmitz steht Zukunft2.com ein deutschsprachiger Vietnam-Experte vor Ort zur Verfügung. Dadurch können rechtliche und steuerliche Fragen mit den praktischen Bedingungen in Vietnam verbunden werden.

Im Rahmen einer strategischen Erstberatung für Unternehmer und Investoren wird geprüft, ob das Vorhaben grundsätzlich für Ho-Chi-Minh-Stadt oder Da Nang geeignet ist, welche Steuervergünstigungen realistisch erreichbar erscheinen und welche Risiken im Heimatstaat berücksichtigt werden müssen.

Im Mittelpunkt sollte keine isolierte Werbung mit zehn Prozent Körperschaftsteuer stehen, sondern eine rechtlich und wirtschaftlich tragfähige Struktur mit nachweisbarer Geschäftstätigkeit in Vietnam.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechts-, Steuer-, Anlage- oder Aufenthaltsberatung. Die Voraussetzungen und die operative Verwaltungspraxis müssen vor einer Investition anhand des aktuellen Einzelfalls geprüft werden.

Quellen und Rechtsgrundlagen

Gesetzliche Grundlage und zentrale IFC-Verordnungen

  1. Viet Nam International Financial Center Da Nang: Übersicht aller Rechtsgrundlagen und Durchführungsverordnungen (VIFC Da Nang)
  2. Resolution 222/2025/QH15 der vietnamesischen Nationalversammlung über das International Financial Center (VIFC Da Nang)
  3. Decree 323/2025/ND-CP: Errichtung, Standorte, Organisation und Entwicklungsbereiche des Finanzzentrums (VIFC Da Nang)
  4. Decree 324/2025/ND-CP: Steuern, Mitgliedschaft, Rechnungslegung, Finanzpolitik und regulatorische Testmodelle (VIFC Da Nang)
  5. Decree 325/2025/ND-CP: Beschäftigung, Arbeitserlaubnisse und soziale Sicherung (VIFC Da Nang)
  6. Decree 326/2025/ND-CP: Grundstücks- und Umweltregelungen innerhalb des Finanzzentrums (VIFC Da Nang)
  7. Decree 327/2025/ND-CP: Einreise, Visa und Aufenthaltsrecht für ausländische Fachkräfte und Investoren (VIFC Da Nang)
  8. Decree 328/2025/ND-CP: Internationales Schiedszentrum, Rechtswahl und Streitbeilegung (VIFC Da Nang)
  9. Decree 329/2025/ND-CP: Banken, Fremdwährungen, Geldwäscheprävention und Finanzaufsicht (VIFC Da Nang)
  10. Decree 330/2025/ND-CP: Errichtung und Betrieb von Warenbörsen im International Financial Center (VIFC Da Nang)

Offizielle Erläuterungen und aktueller Entwicklungsstand

  1. Vietnamesische Regierung: Verabschiedung der Resolution über das International Financial Center (en.baochinhphu.vn)
  2. Vietnamesische Regierung: Steuerpolitik mit zehn und 15 Prozent Körperschaftsteuer sowie persönlichen Steuerbefreiungen (en.baochinhphu.vn)
  3. Vietnamesische Regierung: Allgemeiner Körperschaftsteuersatz und neue Unternehmenssteuersätze in Vietnam (en.baochinhphu.vn)
  4. Vietnamesische Regierung: Entwicklungsplan für das International Financial Center bis 2035 (en.baochinhphu.vn)
  5. VIFC: Start des digitalen Systems zur Registrierung und Anerkennung von Mitgliedern (IFC-HCM)
  6. VIFC: Übergang vom institutionellen Aufbau zu Produkten, Mitgliedern und konkreten Transaktionen (IFC-HCM)

Internationale und deutsche steuerliche Rahmenbedingungen

  1. Rat der Europäischen Union: Aktualisierung der EU-Liste nicht kooperativer Steuergebiete vom 17. Februar 2026 (Rat der Europäischen Union)
  2. OECD: Global Minimum Tax und internationale Mindestbesteuerung großer Unternehmensgruppen (OECD)
  3. § 10 Abgabenordnung: Ort der Geschäftsleitung (Gesetze im Internet)
  4. Außensteuergesetz: Wegzugsbesteuerung, Hinzurechnungsbesteuerung und internationale Steuerfolgen (Gesetze im Internet)