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Vietnam Investitionen 2026

31. August 2026 / Zukunft2

Vietnam Investitionen 2026: Warum internationales Kapital jetzt verstärkt nach Vietnam fließt

Stand: 31. August 2026 – Von Dr. Joachim Schmitz

Vietnam entwickelt sich 2026 zu einem der dynamischsten Investitionsstandorte Asiens. In den ersten sieben Monaten des Jahres wurden ausländische Direktinvestitionen von insgesamt 38,06 Milliarden US-Dollar registriert. Das waren 58,1 Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Gleichzeitig stiegen die tatsächlich realisierten ausländischen Investitionen auf 15,2 Milliarden US-Dollar. Damit fließt nicht nur mehr angekündigtes Kapital nach Vietnam. Auch die praktische Umsetzung bereits genehmigter Fabriken, Energieprojekte, Beteiligungen und Unternehmensstandorte gewinnt an Geschwindigkeit.

Doch die entscheidende Veränderung liegt nicht allein im Volumen.

Internationale Investoren fragen zunehmend nicht mehr nur, wo sie kostengünstig eine Fabrik errichten können. Sie prüfen, wo sich Technologie, Forschung und Entwicklung, regionale Unternehmensfunktionen, digitale Infrastruktur und langfristiges Wachstumskapital ansiedeln lassen.

Vietnam bleibt ein wichtiger Profiteur der China-plus-one-Strategie. Das Land beginnt jedoch, über diese Rolle hinauszuwachsen.

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Vietnam Investitionen 2026: Das Wichtigste im Überblick

Kennzahl Stand
Wirtschaftswachstum Vietnams 2025 8,02 %
Bruttoinlandsprodukt 2025 rund 514 Mrd. US-Dollar
Registrierte FDI Januar bis Juli 2026 38,06 Mrd. US-Dollar
Veränderung zum Vorjahr +58,1 %
Tatsächlich realisierte FDI 15,2 Mrd. US-Dollar
Veränderung zum Vorjahr +11,8 %
Neu genehmigte FDI-Projekte 2.429
Neu registriertes Investitionskapital 21,05 Mrd. US-Dollar
Kapitalaufstockungen bestehender Projekte 10,43 Mrd. US-Dollar
Beteiligungen und Anteilskäufe 6,58 Mrd. US-Dollar
Neu registriertes Kapital aus Singapur rund 7,5 Mrd. US-Dollar

Wer die Entwicklung der ersten Jahreshälfte und die genaue Zusammensetzung der ausländischen Direktinvestitionen nachvollziehen möchte, findet in unserer Analyse Vietnam zieht 34,65 Milliarden Dollar an eine ausführliche Aufschlüsselung nach Investitionsarten, Branchen und Herkunftsländern.

Was bedeuten 38,06 Milliarden US-Dollar Investitionen tatsächlich?

Bei der Einordnung der Vietnam-Investitionen muss zwischen registriertem und tatsächlich realisiertem Kapital unterschieden werden.

Die 38,06 Milliarden US-Dollar registriertes FDI-Kapital setzen sich aus drei Bereichen zusammen:

  • 21,05 Milliarden US-Dollar für neu genehmigte Projekte,
  • 10,43 Milliarden US-Dollar für die Erweiterung bestehender Projekte,
  • 6,58 Milliarden US-Dollar für Beteiligungen und Anteilskäufe.

Dieses Geld ist nicht zwangsläufig bereits vollständig überwiesen, verbaut oder investiert worden. Große Produktionsanlagen, Industrieparks, Energieprojekte und Unternehmensübernahmen werden häufig über mehrere Jahre hinweg umgesetzt.

Das registrierte Kapital zeigt deshalb zunächst das Vertrauen der Investoren und die geplante Kapitalbindung.

Das tatsächlich realisierte Kapital zeigt dagegen, wie viel wirtschaftliche Substanz bereits entstanden ist. Mit 15,2 Milliarden US-Dollar bis Ende Juli 2026 erreichte auch dieser Wert ein bemerkenswert hohes Niveau.

Für Investoren ist gerade das Zusammenspiel beider Kennzahlen entscheidend:

Hohe Registrierungen zeigen, was geplant ist. Hohe Auszahlungen zeigen, dass Projekte tatsächlich umgesetzt werden.

Vietnam Investitionen 2026 Infografik

Vietnam Investitionen 2026 Infografik

Vietnam erhält nicht nur mehr, sondern anspruchsvolleres Kapital

Eine am 25. August 2026 veröffentlichte KPMG-Auswertung beschreibt einen grundlegenden Wandel.

Über viele Jahre stand bei internationalen Unternehmen vor allem eine Frage im Mittelpunkt: Wo kann kostengünstig produziert werden?

Heute geht es zunehmend um weitergehende Entscheidungen:

  • Wo sollen Forschungs- und Entwicklungsabteilungen angesiedelt werden?
  • Wo können regionale Unternehmensfunktionen aufgebaut werden?
  • Welcher Standort eignet sich für digitale Infrastruktur?
  • Wo finden internationale Investoren skalierbare Unternehmen?
  • Welche Länder bieten Zugang zu qualifizierten Mitarbeitern und wachsenden Absatzmärkten?
  • Wo lassen sich Beteiligungen, Joint Ventures und Unternehmensübernahmen realisieren?

Dieser Wandel passt zur politischen Neuausrichtung des Landes. Die Vietnam Reform Roadmap 2026 zeigt, dass Vietnam nicht mehr nur möglichst viel ausländisches Kapital anziehen will.

Im Mittelpunkt stehen zunehmend Investitionen, die Technologie, Fachwissen, Forschung, Ausbildung, Managementkompetenz und langfristige Wertschöpfung nach Vietnam bringen.

Warum internationales Kapital verstärkt nach Vietnam fließt

Der Investitionsboom hat nicht nur eine Ursache. Mehrere wirtschaftliche, politische und strategische Entwicklungen verstärken sich gegenseitig.

Starkes Wirtschaftswachstum

Vietnam erreichte 2025 ein Wirtschaftswachstum von 8,02 Prozent. Das nominale Bruttoinlandsprodukt lag bei rund 514 Milliarden US-Dollar.

Damit verfügt das Land inzwischen über eine wirtschaftliche Größenordnung, die für internationale Unternehmen weit über einen reinen Niedriglohnstandort hinausgeht.

Vietnam bietet heute gleichzeitig:

  • einen wachsenden Binnenmarkt,
  • eine exportorientierte Industrie,
  • zunehmend leistungsfähige lokale Unternehmen,
  • eine junge und konsumorientierte Bevölkerung,
  • internationale Produktionsnetzwerke,
  • steigende Nachfrage nach Technologie und Dienstleistungen.

Eine umfassende Einordnung der langfristigen Entwicklung finden Sie in unserem Beitrag über Vietnams Wirtschaft und ihre Bedeutung für internationale Unternehmer.

Strategische Lage innerhalb Asiens

Vietnam liegt unmittelbar an wichtigen asiatischen Produktions- und Handelsräumen.

Das Land grenzt an China, verfügt über eine lange Küste, mehrere bedeutende Hafenregionen und einen vergleichsweise guten Zugang zu den Lieferketten Ost- und Südostasiens.

Unternehmen können dadurch chinesische Zuliefernetzwerke weiterhin nutzen und gleichzeitig Teile ihrer Produktion, Beschaffung oder Wertschöpfung nach Vietnam verlagern.

Vietnam ersetzt China deshalb nicht zwangsläufig. Häufig entsteht vielmehr ein zweites Standbein.

Internationale Freihandelsabkommen

Vietnam verfügt über eines der umfangreichsten Netze von Freihandelsabkommen in der Region.

Für Unternehmen aus Deutschland, Österreich und anderen EU-Staaten ist insbesondere das EU-Vietnam-Freihandelsabkommen relevant. Es trat am 1. August 2020 in Kraft und sieht den schrittweisen Abbau von rund 99 Prozent der Zölle vor.

Das bedeutet nicht, dass jedes in Vietnam hergestellte Produkt automatisch zollfrei in die Europäische Union eingeführt werden kann.

Entscheidend bleiben:

  • die konkrete Warennummer,
  • die geltenden Ursprungsregeln,
  • der Anteil lokaler Wertschöpfung,
  • die Herkunft der verwendeten Vorprodukte,
  • die erforderlichen Ursprungsnachweise,
  • europäische Produkt- und Sicherheitsanforderungen.

Eine reine Umladung chinesischer Ware über Vietnam begründet keinen vietnamesischen Warenursprung. Unternehmen müssen die Lieferkette und den Fertigungsprozess deshalb von Anfang an auf die jeweiligen Ursprungsregeln ausrichten.

Ausbau der Infrastruktur

Vietnam investiert erheblich in Straßen, Häfen, Flughäfen, Energieversorgung, Industrieparks und digitale Infrastruktur.

Das ist für Investoren von zentraler Bedeutung. Niedrige Löhne allein reichen nicht aus, wenn Waren nicht zuverlässig transportiert werden können, Stromausfälle drohen oder digitale Verbindungen fehlen.

Auch die kontrollierte Öffnung für internationale Infrastrukturunternehmen ist ein Signal. Der Start von Starlink Vietnam 2026 zeigt beispielsweise, dass Vietnam in strategisch wichtigen Technologiebereichen bereit ist, besondere regulatorische Modelle zu schaffen.

Das Land öffnet sich dabei nicht uneingeschränkt. Es versucht vielmehr, ausländische Technologie mit lokaler Kontrolle, eigenen Unternehmensstrukturen und nationalen Entwicklungszielen zu verbinden.

In welche Branchen fließt das Kapital?

Die verarbeitende Industrie bleibt das Fundament der vietnamesischen Investitionsentwicklung.

Von den 21,05 Milliarden US-Dollar neu registriertem Kapital in den ersten sieben Monaten 2026 entfielen rund 11,58 Milliarden US-Dollar auf Verarbeitung und Produktion. Das entsprach etwa 55 Prozent des neu registrierten Kapitals.

Gleichzeitig verbreitert sich das Spektrum der Investitionen.

Hochwertige und automatisierte Produktion

Vietnam möchte nicht dauerhaft nur einfache Montagearbeiten übernehmen.

Gesucht werden zunehmend Projekte in Bereichen wie:

  • Elektronik und elektrische Komponenten,
  • Maschinen- und Anlagenbau,
  • Automatisierung und Robotik,
  • Präzisionsfertigung,
  • Medizintechnik,
  • Batterie- und Energiespeichertechnik,
  • industrielle Software,
  • moderne Lebensmittelverarbeitung,
  • umweltfreundliche Produktionsverfahren.

Für deutsche Mittelständler entstehen dadurch nicht nur Chancen als Betreiber eigener Produktionsstandorte. Auch Hersteller von Maschinen, Messsystemen, Automatisierungstechnik, Qualitätskontrollen und industriellen Dienstleistungen können profitieren.

Unternehmer, die einen zusätzlichen Produktionsstandort prüfen, finden in unserem Ratgeber Produktion nach Vietnam verlagern eine ausführliche Darstellung der möglichen Einstiegsmodelle, Kostenfaktoren und Risiken.

Halbleiter, künstliche Intelligenz und Forschung

Vietnam will seine Rolle in der Elektronikindustrie ausbauen und stärker in anspruchsvollere Bereiche der Halbleiter-Wertschöpfung vordringen.

Dazu gehören insbesondere:

  • Chipdesign,
  • Verpackung und Prüfung von Halbleitern,
  • elektronische Komponenten,
  • Rechenzentren,
  • künstliche Intelligenz,
  • Cloud-Infrastruktur,
  • industrielle Datenverarbeitung,
  • Forschungs- und Entwicklungszentren.

Vietnam besitzt bereits eine bedeutende Elektronikproduktion. Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, mehr Entwicklung, technisches Wissen und geistiges Eigentum im Land zu halten.

Energie und Versorgung

Die industrielle Expansion erhöht den Bedarf an stabiler und planbarer Energieversorgung.

Investitionsmöglichkeiten entstehen unter anderem in:

  • Stromerzeugung,
  • Netzinfrastruktur,
  • erneuerbaren Energien,
  • Energiespeichern,
  • Energieeffizienz,
  • industrieller Eigenversorgung,
  • Wasser- und Abwassertechnik,
  • Umwelt- und Recyclinglösungen.

Investoren müssen dabei genau prüfen, welche Genehmigungen erforderlich sind, wie Einspeisevergütungen ausgestaltet sind und ob lokale Stromkapazitäten für das geplante Projekt tatsächlich ausreichen.

Finanzdienstleistungen und Kapitalmärkte

Vietnam möchte künftig nicht nur Fabriken und Direktinvestitionen anziehen.

Die neue Strategie verbindet ausländische Direktinvestitionen zunehmend mit:

  • internationalen Kapitalmärkten,
  • Portfolioinvestitionen,
  • Investmentfonds,
  • Unternehmensbeteiligungen,
  • Finanztechnologie,
  • internationalen Finanzzentren,
  • regionalen Holding- und Managementfunktionen.

Damit wird Vietnam auch für Investoren interessant, die nicht selbst produzieren, sondern sich an wachsenden vietnamesischen Unternehmen beteiligen möchten.

Unternehmenskäufe und Beteiligungen

KPMG sieht Unternehmensübernahmen und Beteiligungen als einen zentralen Bestandteil des nächsten Investitionszyklus.

Viele vietnamesische Unternehmen haben inzwischen eine Größe erreicht, bei der sie zusätzliches Kapital, moderne Unternehmensführung und internationale Partner benötigen.

Mögliche Transaktionen betreffen:

  • Wachstumsfinanzierungen,
  • Minderheitsbeteiligungen,
  • strategische Mehrheitsübernahmen,
  • Joint Ventures,
  • Nachfolgelösungen für inhabergeführte Unternehmen,
  • Plattformübernahmen mit anschließender Expansion,
  • Beteiligungen an lokalen Zulieferern.

Für ausländische Investoren kann der Einstieg in ein bestehendes Unternehmen schneller sein als der vollständige Aufbau einer neuen Gesellschaft.

Ein bestehender Betrieb kann bereits über Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Genehmigungen und Produktionskapazitäten verfügen. Gleichzeitig steigen dadurch die Anforderungen an rechtliche, steuerliche und wirtschaftliche Prüfungen.

Warum Singapur eine Schlüsselrolle spielt

Singapur war in den ersten sieben Monaten 2026 mit rund 7,5 Milliarden US-Dollar der größte Herkunftsstandort für neu registrierte Investitionen in Vietnam.

Das entsprach etwa 35,6 Prozent des gesamten neu registrierten Kapitals.

Diese Zahl darf jedoch nicht so verstanden werden, dass sämtliche Investitionen wirtschaftlich ausschließlich aus Singapur stammen.

Der Stadtstaat ist das wichtigste Finanz-, Holding- und Managementzentrum Südostasiens. Internationale Konzerne, Banken, Beteiligungsgesellschaften und Investmentfonds strukturieren ihre regionalen Aktivitäten häufig über Gesellschaften in Singapur.

Singapur übernimmt dadurch mehrere Funktionen gleichzeitig:

  • Herkunftsland direkter Investitionen,
  • Standort regionaler Holdings,
  • Finanzierungszentrum,
  • Sitz von Investmentfonds,
  • Standort regionaler Unternehmenszentralen,
  • Ausgangspunkt für M&A-Transaktionen.

Langfristig zählt Singapur mit mehr als 4.500 laufenden Projekten und nahezu 97 Milliarden US-Dollar kumuliertem registriertem Kapital zu den wichtigsten Investoren Vietnams.

Für Unternehmer aus dem DACH-Raum kann deshalb auch eine kombinierte Struktur interessant sein: Finanzierung, Holding oder regionales Management in Singapur und operative Tätigkeit in Vietnam.

Ob eine solche Struktur sinnvoll ist, hängt jedoch von Geschäftsmodell, Substanz, Besteuerung, Verrechnungspreisen und tatsächlicher Unternehmensführung ab.

Vietnam Investitionen 2026

Vietnam Investitionen 2026

Vietnam wird mehr als China-plus-one

China-plus-one bleibt ein wesentlicher Grund für die steigenden Vietnam-Investitionen.

Viele internationale Unternehmen wollen China nicht vollständig verlassen. Dafür sind der chinesische Markt, die industrielle Tiefe und die Lieferantennetzwerke zu bedeutend.

Gleichzeitig möchten Unternehmen vermeiden, dass ihre gesamte Lieferkette von einem einzigen Land abhängig ist.

Vietnam bietet dafür mehrere Vorteile:

  • geografische Nähe zu China,
  • gute Einbindung in asiatische Lieferketten,
  • wettbewerbsfähige Produktionskosten,
  • Freihandelsabkommen mit wichtigen Absatzmärkten,
  • wachsendes industrielles Fachwissen,
  • politisches Interesse an ausländischen Investitionen.

Der entscheidende Wandel besteht jedoch darin, dass Vietnam zunehmend als eigenständiger Markt betrachtet wird.

Unternehmen kommen nicht mehr ausschließlich nach Vietnam, um China-Risiken zu reduzieren. Sie kommen auch wegen des vietnamesischen Binnenmarktes, der lokalen Unternehmen, der technologischen Entwicklung und der langfristigen regionalen Wachstumsperspektive.

Vietnam wird damit nicht nur zum zweiten Produktionsstandort, sondern möglicherweise zum eigenständigen Unternehmensstandort für Südostasien.

Resolution 10 verändert die Investitionsstrategie

Mit der im Juni 2026 beschlossenen Resolution 10-NQ/TW hat Vietnam seine Strategie für ausländische Investitionen neu ausgerichtet.

Bis 2030 sollen nach den formulierten Zielen:

  • 200 bis 300 Milliarden US-Dollar neues FDI-Kapital registriert werden,
  • 150 bis 200 Milliarden US-Dollar tatsächlich realisiert werden,
  • rund 75 Prozent des neuen Kapitals aus entwickelten Volkswirtschaften stammen,
  • etwa 10.000 vietnamesische Unternehmen in internationale Lieferketten eingebunden werden,
  • die lokale Wertschöpfung in wichtigen Branchen steigen,
  • führende internationale Technologieunternehmen Forschungszentren oder regionale Funktionen in Vietnam ansiedeln.

Entscheidend ist die Verknüpfung staatlicher Unterstützung mit tatsächlichen Ergebnissen.

Steuerliche und wirtschaftliche Förderungen sollen stärker davon abhängig gemacht werden, ob ein Projekt:

  • Forschung und Entwicklung betreibt,
  • Technologie überträgt,
  • vietnamesische Mitarbeiter qualifiziert,
  • lokale Zulieferer einbindet,
  • nachhaltige Produktionsverfahren nutzt,
  • langfristige Wertschöpfung schafft.

Für Investoren bedeutet dies: Ein großes Kapitalversprechen allein könnte künftig weniger ausreichen.

Unternehmen müssen überzeugender darstellen, welchen konkreten Beitrag ihr Projekt zur wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams leistet.

Welche Chancen haben deutsche Unternehmer?

Deutsche Unternehmer müssen keine Milliardenbeträge investieren, um von der Entwicklung zu profitieren.

Es bestehen mehrere realistische Markteintrittswege.

Eigene Tochtergesellschaft

Eine eigene Gesellschaft eignet sich insbesondere für Unternehmen, die dauerhaft in Vietnam verkaufen, Dienstleistungen erbringen, Mitarbeiter beschäftigen oder produzieren möchten.

Die Firmengründung in Vietnam erfordert bei ausländischen Investoren in der Regel eine sorgfältige Prüfung der zulässigen Geschäftstätigkeiten, des Investitionskapitals, der Genehmigungen und der geplanten Unternehmensstruktur.

Auftragsfertigung

Unternehmen können Produkte zunächst von einem vietnamesischen Partner fertigen lassen.

Dadurch lassen sich Markt, Qualität, Lieferzeiten und Kosten testen, bevor größere eigene Investitionen erfolgen.

Beschaffungs- und Qualitätsbüro

Für Unternehmen, die bereits in Vietnam einkaufen, kann eine kleine lokale Einheit zur Lieferantensteuerung, Qualitätskontrolle und Logistik sinnvoll sein.

Lieferung von Maschinen und Dienstleistungen

Der Investitionsboom erzeugt Nachfrage nach:

  • Maschinen,
  • Automatisierungstechnik,
  • Messtechnik,
  • industrieller Software,
  • Wartung und Instandhaltung,
  • Qualitätsmanagement,
  • Energieeffizienz,
  • Ausbildung und Fachkräftetraining,
  • Logistik- und Lagerlösungen.

Gerade spezialisierte deutsche Mittelständler können davon profitieren, ohne selbst eine große Fabrik errichten zu müssen.

Beteiligung an einem vietnamesischen Unternehmen

Eine Beteiligung kann Zugang zu bestehenden Kunden, Mitarbeitern, Lieferanten und Genehmigungen schaffen.

Sie setzt jedoch eine professionelle Due Diligence voraus. Geprüft werden müssen unter anderem Eigentumsverhältnisse, Steuern, Verträge, Genehmigungen, Verbindlichkeiten, wirtschaftlich Berechtigte und die tatsächliche Ertragskraft.

Welche steuerlichen Vorteile bietet Vietnam?

Der reguläre vietnamesische Körperschaftsteuersatz liegt grundsätzlich bei 20 Prozent.

Für bestimmte Branchen, Regionen und förderfähige Investitionsprojekte können jedoch reduzierte Steuersätze, zeitweise Steuerbefreiungen oder weitere Vergünstigungen infrage kommen.

Die tatsächliche Förderung hängt unter anderem ab von:

  • Standort,
  • Branche,
  • Investitionsvolumen,
  • technologischem Anspruch,
  • Beschäftigungseffekt,
  • Forschungsanteil,
  • Projektlaufzeit,
  • rechtzeitiger Antragstellung.

Vietnam arbeitet außerdem an zusätzlichen Entlastungen für kleinere Unternehmen. Einen Überblick über den aktuellen Stand bietet unser Beitrag zur Vietnam Unternehmenssteuer 2026.

Steuerliche Vorteile sollten niemals der einzige Investitionsgrund sein. Entscheidend ist, ob das Geschäftsmodell auch ohne zeitlich begrenzte Förderung wirtschaftlich tragfähig bleibt.

Welche Risiken bleiben?

Der Investitionsboom darf nicht mit einem risikofreien Markt verwechselt werden.

Vietnam bleibt ein anspruchsvoller Standort, an dem lokale Umsetzungskompetenz einen erheblichen Unterschied macht.

Genehmigungen und ausländische Beteiligungen

Nicht jede Branche ist vollständig für ausländische Investoren geöffnet. In regulierten Bereichen können Beteiligungsgrenzen, zusätzliche Lizenzen oder besondere Genehmigungen gelten.

Grundstücke und Industrieparks

Investoren sollten genau prüfen, welches Nutzungsrecht sie erwerben, wie lange es besteht und welche Verlängerungs-, Übertragungs- oder Kündigungsmöglichkeiten gelten.

Auch die tatsächliche Versorgung mit Strom, Wasser, Abwasser, Verkehrsanbindung und Fachkräften muss vor Vertragsabschluss geprüft werden.

Bürokratie und regionale Unterschiede

Gesetze gelten landesweit, ihre praktische Umsetzung kann sich jedoch zwischen Provinzen und Behörden unterscheiden.

Ein Projekt, das an einem Standort problemlos genehmigt wird, kann an einem anderen Standort zusätzliche Anforderungen auslösen.

Fachkräftemangel

Vietnam verfügt über eine große Erwerbsbevölkerung. In spezialisierten Bereichen wächst jedoch der Wettbewerb um erfahrene Ingenieure, Techniker, Manager und IT-Fachkräfte.

Lokale Geschäftspartner

Nicht jeder Partner, der gute Kontakte verspricht, verfügt tatsächlich über die erforderliche Leistungsfähigkeit.

Entscheidend sind nachvollziehbare Eigentumsverhältnisse, Referenzen, finanzielle Stabilität, technische Fähigkeiten und rechtlich belastbare Verträge.

Governance und Transparenz

Mit der wachsenden Bedeutung internationaler Beteiligungen steigen die Anforderungen an:

  • Rechnungslegung,
  • interne Kontrollen,
  • Compliance,
  • Unternehmensführung,
  • Dokumentation,
  • Verrechnungspreise,
  • Transparenz wirtschaftlich Berechtigter.

KPMG weist ausdrücklich darauf hin, dass Investoren nicht mehr nur Wachstum erwarten. Sie verlangen belastbare Unternehmensstrukturen und einen nachvollziehbaren Plan zur Wertsteigerung.

Lohnt sich eine Investition in Vietnam 2026?

Eine Investition in Vietnam kann 2026 besonders interessant sein, wenn sie mindestens eines der folgenden Ziele verfolgt:

  • Aufbau eines zweiten Produktions- oder Beschaffungsstandortes,
  • Zugang zum vietnamesischen Binnenmarkt,
  • Lieferung von Technologie an wachsende Industriebetriebe,
  • Aufbau eines regionalen Standorts für Südostasien,
  • Beteiligung an einem expandierenden vietnamesischen Unternehmen,
  • Diversifikation außerhalb Europas,
  • Reduzierung einseitiger China-Abhängigkeiten,
  • Nutzung eines langfristigen industriellen Wachstumsmarktes.

Weniger geeignet ist Vietnam für Investoren, die lediglich eine Gesellschaft ohne reale Geschäftstätigkeit suchen oder ausschließlich kurzfristige Steuervorteile nutzen möchten.

Vietnam ist kein klassischer Briefkastenstandort. Das Land erwartet wirtschaftliche Substanz, Investitionskapital, konkrete Geschäftstätigkeit und nachvollziehbare Entwicklungsziele.

Checkliste vor einer Investition in Vietnam

Vor einer verbindlichen Entscheidung sollten mindestens folgende Punkte geprüft werden:

  1. Ist das geplante Geschäftsmodell für ausländische Investoren vollständig zugänglich?
  2. Welche Investitions- und Unternehmensgenehmigungen werden benötigt?
  3. Wie hoch muss das realistische Start- und Betriebskapital sein?
  4. Welcher Standort bietet die beste Kombination aus Kunden, Lieferanten, Personal und Infrastruktur?
  5. Reicht die lokale Strom-, Wasser- und Datenversorgung aus?
  6. Welche Rohstoffe und Komponenten müssen importiert werden?
  7. Welche Ursprungsregeln gelten bei Exporten in die Europäische Union?
  8. Welche Steuervergünstigungen sind verbindlich und welche nur theoretisch möglich?
  9. Wie können Gewinne, Dividenden und Verkaufserlöse transferiert werden?
  10. Welche rechtliche und wirtschaftliche Prüfung benötigen lokale Partner oder Übernahmeziele?
  11. Wie wird geistiges Eigentum geschützt?
  12. Welche Ausstiegsstrategie besteht, falls sich das Projekt nicht wie geplant entwickelt?

Die Entscheidung sollte nicht allein anhand von Durchschnittslöhnen, Steuerquoten oder positiven FDI-Zahlen getroffen werden.

Ein erfolgreicher Markteintritt benötigt eine belastbare Verbindung aus Markt, Standort, Genehmigungen, Finanzierung, Personal und lokaler Umsetzung.

Strategische Beratung für Investitionen und Firmengründungen in Vietnam

Zukunft2.com begleitet Unternehmer und Investoren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz bei der Prüfung und Umsetzung ihrer Vietnam-Strategie.

Im Mittelpunkt stehen:

  • Markteintritt und Standortanalyse,
  • Firmengründung in Vietnam,
  • Suche nach Geschäftspartnern,
  • Aufbau von Lieferantenstrukturen,
  • Produktionsverlagerung,
  • Investitions- und Beteiligungsprüfung,
  • interkulturelle Begleitung,
  • strategische Vernetzung vor Ort.

Mit Dr. Joachim Schmitz als deutschsprachigem Vietnam-Berater steht Unternehmern ein Ansprechpartner zur Verfügung, der internationale Managementerfahrung mit praktischer Marktkenntnis und einem belastbaren Netzwerk in Vietnam verbindet.

Das Ziel besteht nicht darin, lediglich eine Gesellschaft registrieren zu lassen. Entscheidend ist der Aufbau einer wirtschaftlich tragfähigen Struktur, die zum Geschäftsmodell, zum Kapitalbedarf und zur langfristigen internationalen Strategie passt.

Vietnam zieht nicht nur mehr, sondern besseres Kapital an

Vietnam hat in den ersten sieben Monaten 2026 ausländische Investitionen von mehr als 38 Milliarden US-Dollar registriert.

Die wichtigere Entwicklung liegt jedoch hinter dieser Zahl.

Vietnam möchte nicht dauerhaft nur Standort für kostengünstige Montage bleiben. Das Land will Technologie, Forschung, Managementkompetenz, internationale Finanzierungen und anspruchsvollere industrielle Wertschöpfung anziehen.

Die verarbeitende Industrie bleibt das Fundament. Gleichzeitig gewinnen Halbleiter, künstliche Intelligenz, Energie, digitale Infrastruktur, Finanzdienstleistungen, Beteiligungen und Unternehmensübernahmen an Bedeutung.

Vietnam wird damit zunehmend mehr als China-plus-one.

Für Unternehmer aus dem DACH-Raum entsteht ein eigenständiger Investitions-, Produktions- und Absatzstandort mit erheblichen Chancen. Diese Chancen setzen jedoch sorgfältige Planung, lokale Prüfung und eine langfristig tragfähige Struktur voraus.

Die entscheidende Investorenfrage lautet deshalb nicht nur:

Sollten wir nach Vietnam gehen?

Sie lautet:

Welche Funktion soll Vietnam innerhalb unserer langfristigen Unternehmens- und Vermögensstrategie übernehmen?

Häufige Fragen zu Vietnam Investitionen 2026

Wie hoch sind die ausländischen Investitionen in Vietnam 2026?

In den ersten sieben Monaten 2026 wurden ausländische Direktinvestitionen von insgesamt 38,06 Milliarden US-Dollar registriert. Tatsächlich realisiert wurden 15,2 Milliarden US-Dollar.

Warum investieren internationale Unternehmen in Vietnam?

Zu den wichtigsten Gründen gehören das starke Wirtschaftswachstum, wettbewerbsfähige Kosten, die strategische Lage in Asien, zahlreiche Freihandelsabkommen, wachsende Lieferketten und die politische Förderung hochwertiger Investitionen.

Welche Branchen sind in Vietnam besonders interessant?

Besonders relevant sind Verarbeitung und Produktion, Elektronik, Halbleiter, künstliche Intelligenz, digitale Infrastruktur, Energie, Logistik, Gesundheitswirtschaft, Finanzdienstleistungen und industrielle Dienstleistungen.

Welche Rolle spielt Singapur bei Vietnam-Investitionen?

Singapur ist einer der größten Investoren und zugleich ein regionales Finanz-, Holding- und Managementzentrum. Viele internationale Unternehmen strukturieren ihre Vietnam-Investitionen über Gesellschaften oder Fonds in Singapur.

Ersetzt Vietnam China als Produktionsstandort?

Vietnam ersetzt China nicht vollständig. Viele Unternehmen behalten ihre Aktivitäten in China und bauen Vietnam als zusätzlichen Produktions-, Beschaffungs- oder Absatzstandort auf.

Können Ausländer in Vietnam eine Firma gründen?

In vielen Branchen können ausländische Investoren Unternehmen mit vollständigem ausländischem Eigentum gründen. In regulierten Bereichen können jedoch Beteiligungsgrenzen, zusätzliche Genehmigungen oder lokale Partner erforderlich sein.

Ist Vietnam ein Steuerparadies?

Nein. Vietnam ist ein regulärer Unternehmens- und Produktionsstandort mit grundsätzlich 20 Prozent Körperschaftsteuer. Für bestimmte Branchen, Regionen und Investitionsprojekte können jedoch erhebliche Steuervergünstigungen gelten.

Lohnt sich eine Investition in Vietnam für deutsche Mittelständler?

Vietnam kann für deutsche Mittelständler besonders interessant sein, wenn sie Produktion diversifizieren, neue Absatzmärkte erschließen, Technologie liefern oder sich an wachsenden vietnamesischen Unternehmen beteiligen möchten. Entscheidend ist eine individuelle Standort- und Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Quellen und weiterführende Informationen

  1. KPMG Vietnam: Vietnam’s next cycle – capital shifts from low-cost manufacturing to higher-value investment and M&A – Analyse des qualitativen Wandels bei ausländischen Investitionen, der Rolle Singapurs und der wachsenden Bedeutung von Technologie, Forschung und Unternehmenskäufen. (KPMG)
  2. Viet Nam Government News: FDI inflows surpass US$38 billion in Jan–July period – Offizielle Angaben zu den 38,06 Milliarden US-Dollar registriertem Kapital, 15,2 Milliarden US-Dollar realisierten Investitionen sowie zur Branchen- und Länderaufteilung. (en.baochinhphu.vn)
  3. Viet Nam Government News: Viet Nam posts 8.02% GDP growth in 2025 – Offizielle Angaben zum Wirtschaftswachstum von 8,02 Prozent und zum Bruttoinlandsprodukt von rund 514 Milliarden US-Dollar. (en.baochinhphu.vn)
  4. Viet Nam Government News: Resolution No. 10-NQ/TW marks pivotal shifts in foreign investment attraction strategy – Ziele für hochwertige ausländische Investitionen, lokale Wertschöpfung, internationale Kapitalströme und die Einbindung vietnamesischer Unternehmen in globale Lieferketten. (en.baochinhphu.vn)
  5. Viet Nam Government News: Resolution No. 10 is a significant evolution in Viet Nam’s investment strategy – Einordnung des Strategiewechsels von reiner Kapitalanwerbung hin zu Technologie, Qualifikation, Forschung und institutioneller Qualität. (en.baochinhphu.vn)
  6. Europäische Kommission: EU-Vietnam-Abkommen – Offizielle Informationen zum EU-Vietnam-Freihandelsabkommen, zum Abbau von 99 Prozent der Zölle und zur Öffnung von Dienstleistungen und öffentlichen Beschaffungsmärkten. (policy.trade.ec.europa.eu)