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Vietnam Unternehmenssteuer 2026

13. August 2026 / Zukunft2

Vietnam Unternehmenssteuer 2026: Regierung plant 30 Prozent Steuerentlastung für kleinere Unternehmen

Stand: 13. August 2026 – Von Dr. Joachim Schmitz

Vietnam bereitet eine neue steuerliche Entlastung für kleinere Unternehmen, Einzelunternehmer und sogenannte Household Businesses vor. Nach dem aktuellen Vorschlag sollen Betriebe mit einem jährlichen Gesamtumsatz von höchstens 10 Milliarden vietnamesischen Dong in den Steuerjahren 2026 und 2027 eine Ermäßigung von 30 Prozent auf die tatsächlich zu zahlende Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuer erhalten.

Die Regelung ist noch nicht endgültig beschlossen. Das vietnamesische Finanzministerium arbeitet derzeit an einer entsprechenden Resolution, über die die Nationalversammlung entscheiden muss.

Für Unternehmer und Investoren ist die Initiative dennoch ein wichtiges Signal: Vietnam möchte nicht nur ausländische Großinvestitionen anziehen, sondern gleichzeitig die eigene mittelständische und kleingewerbliche Unternehmensbasis stärken.

Das Wichtigste auf einen Blick

Die geplante Steuerentlastung soll für die Steuerjahre 2026 und 2027 gelten. Vorgesehen ist eine Reduzierung um 30 Prozent für:

  • körperschaftsteuerpflichtige Unternehmen mit höchstens 10 Milliarden Dong Jahresumsatz,
  • in Vietnam steuerlich ansässige Einzelunternehmer,
  • Household Businesses mit höchstens 10 Milliarden Dong Jahresumsatz.

Entscheidend ist der Unterschied zwischen Umsatz, Gewinn und Steuerbetrag: Die Grenze von 10 Milliarden Dong bezieht sich auf den Jahresumsatz. Die Steuerermäßigung bezieht sich dagegen auf die berechnete Steuerschuld.

Vietnam senkt den Steuersatz also nicht pauschal um 30 Prozentpunkte. Stattdessen sollen berechtigte Unternehmen nur noch 70 Prozent der regulär berechneten Steuer zahlen.

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Was bedeutet die Steuerentlastung konkret?

Ein Unternehmen, das regulär 100 Millionen Dong Körperschaftsteuer zahlen müsste, würde nach dem gegenwärtigen Entwurf eine Entlastung von 30 Millionen Dong erhalten. Die verbleibende Steuerschuld läge bei 70 Millionen Dong.

Die Formel lautet vereinfacht:

Reguläre Steuerschuld × 70 Prozent = verbleibende Steuerzahlung

Damit können sich abhängig vom regulären Steuersatz folgende rechnerische Belastungen ergeben:

Regulärer Steuersatz Steuer nach 30 Prozent Ermäßigung
15 Prozent effektiv 10,5 Prozent
17 Prozent effektiv 11,9 Prozent
20 Prozent effektiv 14 Prozent

Diese Werte gelten nur als vereinfachte Rechenbeispiele. Ob ein Unternehmen tatsächlich von der Ermäßigung profitiert, hängt unter anderem von seinem Umsatz, seinem steuerpflichtigen Gewinn, seiner Rechtsform, bestehenden Steuerbefreiungen, verbundenen Unternehmen und der endgültigen Ausgestaltung der Resolution ab.

Vietnam Unternehmenssteuer 2026 Infografik

Vietnam Unternehmenssteuer 2026 Infografik

Beispiel: Unternehmen mit acht Milliarden Dong Jahresumsatz

Ein vietnamesisches Unternehmen erzielt im Jahr 2026 folgende Ergebnisse:

  • Jahresumsatz: 8 Milliarden Dong
  • steuerpflichtiger Gewinn: 1 Milliarde Dong
  • regulärer Körperschaftsteuersatz: 17 Prozent

Ohne zusätzliche Steuerermäßigung beträgt die Körperschaftsteuer:

1 Milliarde Dong × 17 Prozent = 170 Millionen Dong

Die geplante Entlastung würde 30 Prozent dieser Steuerschuld betragen:

170 Millionen Dong × 30 Prozent = 51 Millionen Dong

Das Unternehmen müsste anschließend noch bezahlen:

170 Millionen Dong – 51 Millionen Dong = 119 Millionen Dong

Bezogen auf den steuerpflichtigen Gewinn entspräche dies einer effektiven Belastung von 11,9 Prozent.

Das Beispiel zeigt, dass die Maßnahme für profitable kleinere Unternehmen einen spürbaren Liquiditätseffekt haben kann. Sie ist jedoch keine Steuerbefreiung und auch keine pauschale Förderung in Höhe von 30 Prozent des Umsatzes oder Gewinns.

Welche Körperschaftsteuer zahlen Unternehmen in Vietnam 2026?

Vietnam verfügt seit dem Steuerjahr 2025 über gestaffelte Körperschaftsteuersätze. Maßgeblich ist grundsätzlich der Gesamtumsatz des vorhergehenden Steuerjahres.

Für Unternehmen gelten im Grundsatz folgende Sätze:

Jahresumsatz Regulärer Körperschaftsteuersatz
Bis 3 Milliarden Dong 15 Prozent
Über 3 bis 50 Milliarden Dong 17 Prozent
Darüber beziehungsweise regulärer Steuersatz 20 Prozent

Für bestimmte Branchen, Investitionsprojekte und besonders geförderte Standorte können andere Steuersätze oder zeitlich begrenzte Steuervergünstigungen gelten.

Umgekehrt können Unternehmen von den reduzierten Sätzen ausgeschlossen sein, wenn sie Teil einer Unternehmensgruppe oder mit anderen Gesellschaften verbunden sind und die gesetzlichen Voraussetzungen nicht erfüllen.

Die geplante 30-Prozent-Ermäßigung wäre damit eine zusätzliche, zeitlich begrenzte Entlastung der berechneten Körperschaftsteuer. Sie würde die grundsätzlichen Steuersätze nicht dauerhaft ersetzen.

Unternehmen bis eine Milliarde Dong sind bereits besonders begünstigt

Seit dem 1. Januar 2026 gilt in Vietnam eine weitere wesentliche Entlastung: Unternehmen mit einem Gesamtjahresumsatz von höchstens einer Milliarde Dong können von der Körperschaftsteuer befreit sein.

Auch Household Businesses und Einzelunternehmer bleiben bis zu dieser Umsatzgrenze grundsätzlich von der persönlichen Einkommensteuer auf ihre Geschäftstätigkeit sowie von der Mehrwertsteuer befreit.

Damit ergibt sich eine wichtige Abgrenzung:

Ein Betrieb, der aufgrund der Umsatzgrenze von einer Milliarde Dong ohnehin keine Einkommen- oder Körperschaftsteuer zahlen muss, kann von einer zusätzlichen Ermäßigung der Steuerschuld kaum profitieren. Wo keine Steuer geschuldet wird, können auch keine weiteren 30 Prozent abgezogen werden.

Der wirtschaftlich interessanteste Bereich dürfte deshalb vor allem bei Unternehmen liegen, die:

  • mehr als eine Milliarde Dong,
  • aber höchstens zehn Milliarden Dong Jahresumsatz erzielen,
  • tatsächlich einen steuerpflichtigen Gewinn erwirtschaften,
  • und nicht bereits aufgrund einer anderen Förderung vollständig steuerbefreit sind.

Drei Jahre Körperschaftsteuerfreiheit für neu gegründete KMU

Vietnam hat außerdem eine dreijährige Körperschaftsteuerbefreiung für bestimmte neu gegründete kleine und mittlere Unternehmen eingeführt. Die Befreiung beginnt grundsätzlich mit der erstmaligen Ausstellung der Unternehmensregistrierungsbescheinigung und läuft über drei aufeinanderfolgende Jahre.

Für internationale Gründer ist deshalb eine Gesamtbetrachtung notwendig. Ein neu gegründetes Unternehmen, das bereits aufgrund dieser Regelung keine Körperschaftsteuer zahlt, hätte während des Befreiungszeitraums möglicherweise keinen zusätzlichen Vorteil aus der geplanten 30-Prozent-Ermäßigung.

Erst nach Ablauf der Steuerbefreiung oder bei fehlender Berechtigung könnte die neue Entlastung praktisch relevant werden. Entscheidend sind der konkrete Registrierungszeitpunkt, die Einstufung als kleines oder mittleres Unternehmen und die endgültigen Durchführungsvorschriften.

Welche Steuern zahlen Selbstständige und Household Businesses?

Das vietnamesische Household Business ist keine Kapitalgesellschaft im deutschen Sinne. Es handelt sich vereinfacht um eine registrierte gewerbliche Tätigkeit einer Einzelperson oder eines Haushalts.

Für Unternehmer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist diese Form nur eingeschränkt mit dem deutschen Einzelunternehmen vergleichbar. Insbesondere Haftung, Registrierung, Buchführung, Beschäftigung von Mitarbeitern und steuerliche Behandlung unterscheiden sich.

Seit 2026 wird das frühere System der pauschalen Besteuerung schrittweise durch eine stärkere Selbstveranlagung ersetzt. Household Businesses und Einzelunternehmer müssen ihre Umsätze zunehmend selbst erklären, die anfallenden Steuern berechnen und fristgerecht abführen.

Für das Steuerjahr 2026 gilt grundsätzlich:

  • Bis zu einer Milliarde Dong Jahresumsatz fallen regelmäßig keine Einkommensteuer auf die Geschäftstätigkeit und keine Mehrwertsteuer an.
  • Oberhalb dieser Grenze hängt die Besteuerung unter anderem von Umsatzhöhe, Tätigkeit, Gewinnermittlung und gewählter beziehungsweise vorgeschriebener Berechnungsmethode ab.
  • Für größere Household Businesses gewinnt die ordnungsgemäße Dokumentation der Betriebsausgaben erheblich an Bedeutung.
  • Oberhalb bestimmter Umsatzgrenzen gelten Anforderungen an elektronische Rechnungen und an Kassensysteme, die mit der Steuerverwaltung verbunden sind.

Die geplante 30-Prozent-Ermäßigung soll auch bei diesen Unternehmern auf die tatsächlich berechnete persönliche Einkommensteuer angewendet werden, sofern der Jahresumsatz höchstens zehn Milliarden Dong beträgt.

Gilt die Entlastung auch für die Mehrwertsteuer?

Nach dem derzeitigen Vorschlag: nein.

Die geplante Ermäßigung betrifft die Körperschaftsteuer von Unternehmen und die persönliche Einkommensteuer von Household Businesses beziehungsweise Einzelunternehmern. Sie ist keine zusätzliche Senkung der Mehrwertsteuer.

Unabhängig davon gilt in Vietnam für zahlreiche Waren und Dienstleistungen bis zum Ende des Jahres 2026 weiterhin ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 8 Prozent statt 10 Prozent.

Bestimmte Bereiche bleiben von dieser Senkung ausgeschlossen, darunter unter anderem Finanzdienstleistungen, Versicherungen, Immobilien, Telekommunikation und verschiedene verbrauchsteuerpflichtige Produkte.

Unternehmen müssen deshalb mehrere Regelungen getrennt betrachten:

  1. Körperschaftsteuer oder persönliche Einkommensteuer
  2. mögliche 30-Prozent-Ermäßigung
  3. Mehrwertsteuer von 8 oder 10 Prozent
  4. gegebenenfalls weitere branchenspezifische Abgaben

Abschaffung der jährlichen Gewerbelizenzabgabe

Seit dem 1. Januar 2026 wurde außerdem die bisherige vietnamesische Business License Fee abgeschafft. Unternehmen und Household Businesses müssen für das Jahr 2026 und die folgenden Jahre grundsätzlich weder eine entsprechende Erklärung einreichen noch diese jährliche Abgabe bezahlen.

Im Verhältnis zur Körperschaftsteuer handelt es sich zwar meist um einen kleineren Betrag. Die Abschaffung reduziert jedoch Verwaltungsaufwand und laufende Pflichten, insbesondere bei kleineren Betrieben.

Welche Unternehmen würden besonders profitieren?

Die geplante Steuerentlastung ist vor allem für profitable kleinere Unternehmen interessant, die bereits die Umsatzschwelle von einer Milliarde Dong überschritten haben.

Dazu können beispielsweise gehören:

  • Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen,
  • kleinere Produktionsbetriebe,
  • lokale Handels- und Vertriebsgesellschaften,
  • IT- und Softwareunternehmen,
  • Agenturen und technische Dienstleister,
  • Gastronomie- und Tourismusbetriebe,
  • lokale Zulieferer internationaler Unternehmen,
  • etablierte Household Businesses mit steigenden Umsätzen.

Besonders relevant ist die Entlastung für Unternehmen mit überschaubaren Umsätzen, aber vergleichsweise hohen Gewinnmargen. Da die Förderung auf die Steuer und nicht auf den Umsatz angewendet wird, steigt der absolute Vorteil mit der Höhe des steuerpflichtigen Gewinns.

Vietnam Unternehmenssteuer 2026

Vietnam Unternehmenssteuer 2026

Wem bringt die Regelung möglicherweise wenig?

Nicht jedes Unternehmen unterhalb der Umsatzgrenze wird automatisch einen erheblichen finanziellen Vorteil haben.

Wenig oder keinen zusätzlichen Effekt kann die Regelung haben, wenn:

  • der Jahresumsatz höchstens eine Milliarde Dong beträgt und bereits Steuerfreiheit besteht,
  • das Unternehmen keinen steuerpflichtigen Gewinn erzielt,
  • Verlustvorträge die Steuerbelastung bereits auf null reduzieren,
  • eine dreijährige Steuerbefreiung für neu gegründete KMU gilt,
  • ein anderes Investitionsprivileg eine vollständige Steuerbefreiung bewirkt,
  • das Unternehmen aufgrund seiner Beteiligungsstruktur oder verbundener Unternehmen von bestimmten Begünstigungen ausgeschlossen ist,
  • die endgültige Resolution zusätzliche Voraussetzungen oder Ausschlüsse enthält.

Unternehmer sollten deshalb nicht mit einer pauschalen Ersparnis rechnen. Erforderlich ist eine konkrete Berechnung auf Grundlage des geplanten Umsatzes, der abzugsfähigen Kosten und des erwarteten steuerpflichtigen Gewinns.

Gilt die Entlastung auch für ausländisch investierte Unternehmen?

Der bisher veröffentlichte Vorschlag ist grundsätzlich auf körperschaftsteuerpflichtige Unternehmen mit einem Jahresumsatz von höchstens zehn Milliarden Dong ausgerichtet.

Daraus lässt sich jedoch noch nicht sicher ableiten, dass jede vietnamesische Gesellschaft mit ausländischen Gesellschaftern automatisch begünstigt wird.

Bei ausländisch investierten Gesellschaften müssen insbesondere folgende Punkte geprüft werden:

  • genaue Rechtsform der vietnamesischen Gesellschaft,
  • Höhe und Herkunft des Jahresumsatzes,
  • Beteiligungsverhältnisse,
  • Verbindung zu Mutter-, Schwester- oder Tochtergesellschaften,
  • Anwendung der Regeln für verbundene Unternehmen,
  • bestehende Investitions- und Steuervergünstigungen,
  • Transferpreise bei konzerninternen Geschäften,
  • endgültige Definition der begünstigten Steuerpflichtigen.

Gerade bei einer vietnamesischen Tochtergesellschaft eines europäischen Unternehmens kann die Umsatzgrenze allein daher nicht ausreichen.

Die endgültige Resolution und die späteren Durchführungsbestimmungen werden zeigen, ob besondere Einschränkungen für verbundene oder ausländisch kontrollierte Unternehmen vorgesehen werden.

Was bedeutet die Reform für deutsche Unternehmer?

Für Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum ist die geplante Entlastung aus drei Gründen relevant.

1. Niedrigere Einstiegskosten für kleinere Marktgesellschaften

Nicht jedes Unternehmen beginnt in Vietnam sofort mit einer großen Fabrik oder mehreren hundert Mitarbeitern.

Viele Markteintritte starten mit einer kleinen Vertriebsgesellschaft, einer Beratungseinheit, einem Servicebüro oder einer technischen Niederlassung.

Gerade für solche Gesellschaften kann eine niedrigere effektive Steuerbelastung in den ersten profitablen Jahren zusätzliche Liquidität schaffen.

2. Stärkung lokaler Zulieferer und Geschäftspartner

Auch wenn ein ausländischer Investor selbst nicht unter die Begünstigung fällt, können lokale Lieferanten, Vertriebspartner und Dienstleister profitieren.

Eine geringere Steuerbelastung kann diesen Unternehmen ermöglichen, mehr Mittel für folgende Bereiche einzusetzen:

  • Maschinen,
  • Digitalisierung,
  • Personal,
  • Qualitätssicherung,
  • Lagerhaltung,
  • Zertifizierungen,
  • internationale Vertriebsstrukturen.

Damit kann sich mittelbar auch die Qualität des vietnamesischen Partner- und Zulieferernetzwerks verbessern.

3. Weiterer Schritt zur Formalisierung der Wirtschaft

Vietnam versucht, kleinere Unternehmer aus informellen oder pauschal besteuerten Strukturen in ein nachvollziehbares System aus Registrierung, elektronischen Rechnungen, Buchführung und Selbstveranlagung zu überführen.

Steuerliche Entlastungen können dabei als Gegenleistung für mehr Transparenz und formelle Registrierung verstanden werden.

Für ausländische Unternehmen ist diese Entwicklung grundsätzlich positiv: Dokumentierte Umsätze, ordnungsgemäße Rechnungen und nachvollziehbare Geschäftsausgaben erleichtern Due Diligence, Lieferantenprüfung und vertragliche Zusammenarbeit.

Starlink und Steuerentlastung: Vietnam sendet ein strategisches Signal

Nahezu zeitgleich mit dem neuen Steuervorschlag hat Starlink begonnen, Bestellungen für Satelliteninternet in Vietnam anzunehmen.

Für das Pilotprojekt wurden die normalerweise geltenden Beschränkungen für ausländisches Eigentum gelockert. Bis Ende 2030 sind im Rahmen des Versuchs bis zu 600.000 Nutzer vorgesehen.

Die beiden Maßnahmen stehen rechtlich nicht in direktem Zusammenhang. Strategisch ergeben sie jedoch ein gemeinsames Bild:

Vietnam verbessert die digitale Infrastruktur, öffnet sich für ausgewählte internationale Technologieinvestitionen und stärkt gleichzeitig kleinere einheimische Unternehmen.

Das Land möchte nicht ausschließlich als kostengünstige Alternative zu China wahrgenommen werden. Vietnam entwickelt sich zunehmend zu einem eigenständigen Wirtschaftsraum mit:

  • wachsendem Binnenmarkt,
  • zunehmender Digitalisierung,
  • einer jungen Unternehmergeneration,
  • internationalen Lieferketten,
  • steigender Nachfrage nach professionellen Dienstleistungen,
  • wachsender Bedeutung regionaler Städte außerhalb von Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.

Für internationale Unternehmer erweitert sich damit die Perspektive. Vietnam ist nicht nur Produktionsstandort, sondern auch Absatzmarkt, Dienstleistungsmarkt und möglicher Ausgangspunkt für Geschäfte in Südostasien.

Firma in Vietnam gründen: Nicht nur auf den Steuersatz achten

Eine mögliche Steuerentlastung ist ein Vorteil, sollte aber niemals allein über die Wahl eines Standorts oder einer Rechtsform entscheiden.

Vor einer Firmengründung in Vietnam sollten mindestens folgende Fragen beantwortet werden:

Ist die Tätigkeit für ausländische Investoren zugelassen?

Vietnam unterscheidet zwischen frei zugänglichen, beschränkt zugänglichen und genehmigungspflichtigen Geschäftsfeldern.

Je nach Branche können zusätzliche Lizenzen, lokale Beteiligungen oder Qualifikationsnachweise erforderlich sein.

Welche Rechtsform passt zum Geschäftsmodell?

In Betracht kommen unter anderem eine vietnamesische Gesellschaft mit beschränkter Haftung, eine Aktiengesellschaft, eine Repräsentanz oder bestimmte Kooperationsmodelle mit lokalen Partnern.

Eine Repräsentanz darf jedoch regelmäßig keine vollwertigen umsatzgenerierenden Geschäfte betreiben.

Wie hoch muss das Stamm- oder Investitionskapital sein?

Für viele Tätigkeiten existiert kein einheitlicher gesetzlicher Mindestbetrag. Die Behörden prüfen jedoch, ob das vorgesehene Kapital zum Geschäftsmodell, zu den geplanten Kosten und zur Anlaufphase passt.

Ein unrealistisch niedriges Kapital kann Genehmigungen, Bankprozesse und Aufenthaltsfragen erschweren.

Welche Steuern fallen zusätzlich an?

Neben der Körperschaftsteuer können je nach Tätigkeit unter anderem relevant sein:

  • Mehrwertsteuer,
  • persönliche Einkommensteuer der Mitarbeiter,
  • Sozialversicherungsbeiträge,
  • Quellensteuern,
  • Foreign Contractor Tax,
  • Einfuhrabgaben,
  • besondere Verbrauchsteuern,
  • Grundstücks- oder Mietabgaben.

Wo entsteht die tatsächliche Geschäftsleitung?

Bei Unternehmern aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz muss nicht nur die vietnamesische Steuerpflicht betrachtet werden.

Auch der Ort der Geschäftsleitung, die persönliche Steueransässigkeit des Gesellschafters und bestehende Doppelbesteuerungsabkommen können entscheidend sein.

Eine Gesellschaft in Vietnam führt nicht automatisch dazu, dass sämtliche Einkünfte nur noch in Vietnam besteuert werden.

Unternehmerische Chancen statt reiner Steuersparmodelle

Vietnam bietet attraktive steuerliche Rahmenbedingungen. Trotzdem sollte eine Firmengründung auf einem realen Geschäftsmodell beruhen.

Besonders tragfähig sind Vorhaben, bei denen Vietnam einen tatsächlichen wirtschaftlichen Vorteil bietet, beispielsweise durch:

  • Zugang zu lokalen Kunden,
  • Produktion und Beschaffung,
  • technische Fachkräfte,
  • regionale Lieferketten,
  • Exportmöglichkeiten,
  • Software- und Backoffice-Leistungen,
  • lokale Vertriebs- und Serviceeinheiten,
  • Kooperationen mit vietnamesischen Unternehmen.

Eine Gesellschaft, die nur wegen eines zeitlich begrenzten Steuervorteils gegründet wird, kann durch Gründungs-, Lizenz-, Buchführungs-, Personal- und Verwaltungskosten schnell teurer werden als erwartet.

Die mögliche Steuerermäßigung sollte deshalb als zusätzlicher Standortvorteil verstanden werden – nicht als Ersatz für ein belastbares Geschäftsmodell.

Ist die 30-Prozent-Steuerentlastung bereits beschlossen?

Nein.

Mit Stand vom 13. August 2026 handelt es sich um einen Regierungsvorschlag beziehungsweise einen in Vorbereitung befindlichen Resolutionsentwurf. Die Nationalversammlung muss der Maßnahme noch zustimmen.

Auch folgende Details können sich bis zum endgültigen Beschluss noch verändern:

  • genaue Definition der Umsatzgrenze,
  • Nachweis des Jahresumsatzes,
  • Behandlung neu gegründeter Unternehmen,
  • Regeln bei Rumpfgeschäftsjahren,
  • Berechnung bei mehreren Geschäftstätigkeiten,
  • Behandlung verbundener Unternehmen,
  • Verhältnis zu anderen Steuervergünstigungen,
  • Verfahren für Vorauszahlungen und Jahresabrechnungen,
  • mögliche Rückwirkung für bereits geleistete Steuerzahlungen 2026.

Unternehmen sollten deshalb noch keine verbindliche Finanzplanung auf Grundlage der Ermäßigung erstellen.

Sinnvoll ist zunächst eine Szenariorechnung mit und ohne Steuerentlastung.

FAQ zur Vietnam Unternehmenssteuer 2026

Wird die Körperschaftsteuer in Vietnam generell um 30 Prozent gesenkt?

Nein. Vorgesehen ist eine befristete Ermäßigung von 30 Prozent auf die berechnete Körperschaftsteuer bestimmter Unternehmen mit höchstens zehn Milliarden Dong Jahresumsatz.

Beziehen sich die zehn Milliarden Dong auf Umsatz oder Gewinn?

Die Grenze bezieht sich nach dem Entwurf auf den gesamten Jahresumsatz. Die Höhe der Ermäßigung wird anschließend auf die tatsächlich berechnete Steuer angewendet.

Soll die Regelung auch für Einzelunternehmer gelten?

Ja. Der Vorschlag umfasst auch in Vietnam steuerlich ansässige Einzelunternehmer und Household Businesses mit Geschäftseinkünften, sofern die Umsatzgrenze eingehalten wird.

Gilt die Steuerermäßigung für 2026 rückwirkend?

Der Entwurf bezieht sich auf die Steuerjahre 2026 und 2027. Wie bereits geleistete Vorauszahlungen oder Steuerbeträge behandelt werden, muss sich aus der endgültigen Resolution und den Durchführungsvorschriften ergeben.

Wird auch die Mehrwertsteuer um weitere 30 Prozent reduziert?

Nein. Die geplante Maßnahme betrifft die Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuer. Die bestehende Reduzierung der Mehrwertsteuer auf 8 Prozent für viele begünstigte Waren und Dienstleistungen ist eine separate Regelung.

Können ausländische Unternehmer die Förderung nutzen?

Eine in Vietnam gegründete Gesellschaft mit ausländischen Gesellschaftern könnte grundsätzlich in Betracht kommen.

Ob sie tatsächlich berechtigt ist, hängt jedoch von der endgültigen Regelung, ihrer Beteiligungsstruktur, dem Umsatz, verbundenen Unternehmen und weiteren Voraussetzungen ab.

Wie hoch kann der effektive Körperschaftsteuersatz werden?

Bei einem regulären Satz von 15 Prozent ergibt die Ermäßigung rechnerisch 10,5 Prozent. Bei 17 Prozent wären es 11,9 Prozent und bei 20 Prozent 14 Prozent.

Diese Werte gelten nur, wenn das Unternehmen vollständig für die geplante Ermäßigung qualifiziert ist.

Fazit: Vietnam stärkt gezielt seine kleinere Unternehmensbasis

Die geplante 30-Prozent-Steuerentlastung ist mehr als eine kurzfristige fiskalische Maßnahme. Sie fügt sich in eine breitere wirtschaftspolitische Entwicklung ein.

Vietnam reduziert administrative Abgaben, entlastet Kleinstunternehmen, fördert neu gegründete KMU, modernisiert die Besteuerung von Household Businesses und öffnet gleichzeitig wichtige Bereiche der digitalen Infrastruktur für internationale Anbieter.

Für deutsche, österreichische und Schweizer Unternehmer entsteht daraus ein zunehmend interessantes Umfeld.

Besonders attraktiv kann Vietnam für kleinere operative Gesellschaften, lokale Vertriebsstrukturen, Dienstleister, Zulieferer und wachstumsorientierte Neugründungen werden.

Die entscheidende Frage lautet jedoch nicht allein:

Wie niedrig ist die Steuer?

Wichtiger ist:

Welche Rechtsform, Beteiligungsstruktur und operative Aufstellung ermöglicht ein rechtssicheres, steuerlich tragfähiges und langfristig profitables Geschäft in Vietnam?


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  • Zulässigkeit Ihres Geschäftsmodells,
  • passende Rechts- und Beteiligungsstruktur,
  • realistischer Kapitalbedarf,
  • voraussichtliche Unternehmenssteuern,
  • mögliche Steuerbefreiungen und Förderungen,
  • Lizenzen und Genehmigungen,
  • Standortwahl,
  • Bankkonto und Zahlungsverkehr,
  • Personal- und Aufenthaltsfragen,
  • Risiken bei lokalen Partnern und verbundenen Unternehmen.

Treffen Sie die Strukturentscheidung vor der Gründung – nicht erst nach dem ersten steuerlichen oder regulatorischen Problem.

Hinweis: Der Artikel stellt den Stand vom 13. August 2026 dar und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Maßgeblich sind die endgültige Resolution, die vietnamesischen Durchführungsvorschriften und die konkrete Unternehmensstruktur.

Vietnam Unternehmenssteuer 2026
Vietnam plant für kleinere Unternehmen, Household Businesses und Einzelunternehmer eine 30-prozentige Ermäßigung der Einkommen- beziehungsweise Körperschaftsteuer. Die Maßnahme soll für 2026 und 2027 gelten. Wir zeigen, wer profitieren könnte und was ausländische Investoren beachten müssen.

Quellen und weiterführende Informationen